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Ärztekammer will Kinder vor Handys schützen

Von Rodolf Felser auf COMPUTERWELT

Messer, Gabel, Handy, Licht, sind für Kinderhände nicht: Ende Juli wiederholte die Ärztekammer neuerlich ihre Forderung nach einem Verbot von Mobiltelefonen für Kinder unter sechs Jahren. Gerd Oberfeld, Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer, verglich die Gefährdung sogar mit dem Rauchen. Studien aus Schweden würden beweisen, dass Personen unter 20 Jahren, die mit ihrem Handy telefonieren, ein fünfmal höheres Risiko hätten, an bösartigen Gehirntumoren zu erkranken, so Oberfeld, der mit der Mobilfunkbranche schon länger auf Kriegsfuß steht.

Die Antwort der Mobilfunkbranche, genauer gesagt der freiwilligen Brancheninitiative Forum Mobilkommunikation (FMK) – ließ damals nicht lange auf sich warten. Nach einer umgehenden ersten Reaktion folgte ein „wissenschaftlicher Gegenbeweis“: Das internationale Grenzwertekonzept der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Mobilfunk sei neuerlich bestätigt worden, so das FMK Anfang August. Die deutsche Strahlenschutzkommission hätte in ihrer aktuellen Stellungnahme „Mikrodosimetrie – HF, Biologische Relevanz der Energiedeposition im mikroskopischen Bereich durch Felder des Mobilfunks“ den Kenntnisstand zu den Grenzwerten überprüft und sei zum Ergebnis gekommen: „Es besteht daher keine Veranlassung, die bestehenden Grenzwerte zu senken.“

ÄRZTEKAMMER NUTZT SCHULBEGINN

Weniger aus der „klassisch-medizinischen“ Richtung und mehr über psychosoziale Aspekte nähert sich die Ärztekammer zu Schulbeginn wieder dem Thema an und mahnte am Sonntag einen „verantwortungsvollen Gebrauch von Handys insbesondere bei Kindern und Jugendlichen“ ein. Noch immer werde die Gefahr in Österreich nicht wirklich ernst genommen. „Abgesehen von möglichen negativen medizinischen Langzeitfolgen sind das vor allem Schulden, Sprachverfall und Kommunikationsdefizite“, so der Präsident der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner.

Erst vor Kurzem habe eine australische Studie ergeben, dass die intensive Handy-Nutzung das noch in Entwicklung befindliche Gehirn von Kindern verändern kann. Typische SMS-Abkürzungen sowie ein häufiger Gebrauch der Texterkennung verleiteten dazu, zwar schneller zu denken und zu kommunizieren, aber gleichzeitig auch mehr Fehler zu machen – und sich nicht weiter daran zu stören. Dies wiederum könne zu Veränderungen von Denkmustern und Hirnstrukturen führen, so die Autoren der Studie.

Sprachverfall und (negativ) veränderte Denkmuster sind zwar nicht erfreulich, aber zumindest nicht akut lebensbefrohend. Dorner weist jedoch auch darauf hin, dass sich abseits psychosozialer Aspekte die Sorge um mögliche Langzeitgefährdungen durch übermäßige Exposition von Mobilfunkstrahlen nicht geändert habe. Nach wie vor weise die Datenlage zu den Langzeitfolgen in Richtung Verdopplung des Tumorrisikos bei regelmäßiger Benutzung des Mobiltelefons – bei Kindern dürfte das Risiko sogar noch höher liegen. Diese vorläufigen Daten seien zu besorgniserregend, um die von der Mobilfunkindustrie verharmlosenden Prognosen, wonach es bei Einhaltung der Grenzwerte zu keiner gesundheitlichen Gefährdung käme, zu glauben. Es sei „äußert bedauerlich“, dass viele Warnungen von Medizinern und insbesondere der Ärztekammer in Österreich weiterhin nicht ernst genommen würden, betont der Ärztechef.

Es gäbe eine Reihe europaweiter Studien, die eindeutig von möglichen Gefahren hinsichtlich eines Krebsgeschehens durch Mobilfunkstrahlen sprechen, so Dorner weiter. „Deshalb raten wir generell, natürlich auch Erwachsenen, zur Vorsicht.“ Nach wie vor werde in Österreich „eine Verharmlosung betrieben, die bei der weiten Verbreitung der Mobiltelefonie und dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand aus Sicht eines umfassenden Vorsorgegedankens keineswegs zu rechtfertigen ist“, so der Ärztekammerpräsident abschließend. (rnf)

[Quelle: computerwelt.at]

2 Kommentare zum Beitrag

  1. Glücklich ohne Handy

    Die Bevölkerung könnte angesichts der drückenden Studienlage etwas hellhöriger und mit Hausverstand die Handys, Schnurlostelefone sowie die kabellosen Laptops beiseite legen, bis die Industrie Studien über die Unbedenklichkeit vorweisen kann. Denken Sie bitte – wenn Sie dazu in der Lage sind – 20 Jahre zurück: Da ging es genaus gut „ohne dieses moderne Outfit“.

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