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Die Aspirin-Lüge: Vom Wundermittel zum Krankmacher

Von Susanne Hamann, info.kopp-verlag.de

Die tägliche Einnahme von Aspirin® verringert zwar das Risiko eines Herzinfarkts um 20 Prozent, erhöht jedoch zugleich das Risiko von Magenblutungen um ganze 33 Prozent. Das fanden Wissenschaftler der Oxford-Universität nun heraus. Es ist also keineswegs ungefährlich, den Wirkstoff ASS präventiv gegen Herzinfarkte einzusetzen. Und damit nicht genug. Laut Professor Karen Starkos war die Verschreibung von Aspirin® sogar ein wesentlicher Faktor für die hohe Sterberate während der Grippeepidemie 1918.

Seit Jahren wird Aspirin® vorbehaltlos zur täglichen Einnahme bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen. Das Präparat soll dabei sowohl einen erneuten Schlaganfall (oder Herzinfarkt) verhindern, als auch für gesunde aber gefährdete Menschen vorbeugend wirken. Aspirin® ist eben »Immer für Sie da«, wie Bayer so schön sagt. Ganz anders beschreiben jedoch die Wissenschaftler der Oxford-Universität im Magazin The Lancet die tatsächliche Wirkung des Wundermittels: Sogar lebensbedrohliche Folgen gehen laut den renommierten Wissenschaftlern mit der Einnahme einher.

Ihre Untersuchungen umfassten zwei Gruppen: In sechs Studien wurden 95.000 Personen getestet, die ein geringes bis durchschnittliches Herzinfarktrisiko aufwiesen. Sie fielen folglich unter die typische Gruppe derjenigen, die vorsorglich handeln. Die anderen 16 Studien testeten 17.000 Personen, die bereits mindestens einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten, somit also Nachsorge betrieben.

Die Ergebnisse zeigten, dass in beiden Gruppen zwar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent sank, zugleich jedoch die Wahrscheinlichkeit von Magenblutungen um 33 Prozent anstieg. Colin Baigent, der die Studie leitete, sagte dazu, dass die Wissenschaftler »(…) keinen triftigen Beweis dafür haben, dass die Einnahme von Aspirin® bei gesunden Menschen die Risiken, die durch die Einnahme entstehen, angemessen übertrifft«. Und das ist immer noch recht milde formuliert, betrachtet man einmal die Einzelheiten der Studie.

In der Tat konnten in der Gruppe der bereits erkrankten Patienten – bezogen auf 10.000 Personen und eine tägliche Einnahme von einer Aspirin® – erfreulicherweise ungefähr 150 Fälle von Gefäßerkrankungen pro Jahr vermieden werden. So weit, so gut. In der gering gefährdeten Gruppe allerdings traten nicht nur fünf Fälle weniger als ohne Behandlung mit ASS von Gefäßerkrankungen auf, sondern zusätzlich drei Fälle, die Magenblutungen erlitten. Hinzu kam ein Schlaganfall, der durch innere Blutungen ausgelöst worden war.

Gesunde Personen spielen bei der präventiven Einnahme von Aspirin® also russisches Roulette mit ihrer Gesundheit.

Was die Packungsbeilage verschweigt

»Aspirin® – Medizin deines Lebens«, bei solch einem Slogan muss man die Wunderpille doch im Medikamentenschrank haben, oder? Immerhin soll ASS (Acetylsalicylsäure) gegen Entzündungen, Fieber und, nicht zu vergessen, Kopfschmerzen helfen. Die WHO befand den Wirkstoff gar als so wichtig, dass sie das Präparat auf die »Liste unentbehrlicher Arzneimittel« setzte.

Erste Anzeichen einer Grippe? Gerade dann greifen viele traditionell zur guten alten Aspirin®. Doch das könnte fatal sein. Die Forscherin Karen Starko zeigte in ihrer Anfang Oktober veröffentlichten Studie, dass die verheerende Grippewelle von 1918 durch die Einnahme von Aspirin® sogar wesentlich verschlimmert wurde! Im Magazin Clinical Infectious Disease beschreibt die Medizinerin, dass die Überdosierung von Aspirin zu toxischen Reaktionen führte. Die Folge war eine Verstärkung der Grippesymptome, erhöhte Sterblichkeit, Anfälligkeit für bakterielle Infektionen und Flüssigkeit in der Lunge. Zum Beweis führt Starko an, dass die gegenwärtigen Kenntnisse über die Nebenwirkungen von Aspirin® mit denen von 1918 übereinstimmen. Starko vermutet, dass die Ärzte in dem verzweifelten Versuch, etwas gegen die Grippe zu unternehmen, dazu übergingen, Aspirin® zu verordnen, obwohl sie nur wenig Ahnung von Dosierung und Wirkungsweise des Mittels hatten. Das Heilmittel, das die Symptome zunächst linderte, führte dann oft zum Tod des Patienten.

Starko selbst schreibt: »Interventionen können in beide Richtungen gehen. Medizin kann Leben retten und verbessern. Dennoch müssen wir uns absolut klar über die Bedeutung der Dosierung sein, über die Balance zwischen Risiko und Vorteil und über die Grenzen unserer Forschung.« Solche Aussagen geben zu denken angesichts der lautstark angekündigten Schweinegrippe-Epidemie. Auf mögliche ASS-Intoleranz wird bis heute nicht getestet, und die Dosierungsempfehlungen variieren ebenfalls immens.

Langsam wird klar, dass die weiße Tablette entgegen der allgemeinen Vorstellung eben doch kein Wundermittel ist. So schrieb Phillip Mimkes von der »Coordination gegen Bayer-Gefahren« bereits im Jahr 2000, dass die jährliche Todesrate durch Aspirin und AIDS in den USA gleich hoch lag. Mit 16.500 Todesfällen gehörte das Präparat zu den 15 häufigsten Todesursachen in Amerika. Kaum einer liest ja den Beipackzettel, oder nimmt ihn gar ernst. Hinzu kommt, dass Aspirin® wesentlich günstiger zu bekommen ist als die gängigen Herzmedikamente.

Doch egal in welchem Land wir uns befinden: das Problem bleibt der Informationsmangel. Oder hat Sie schon einmal ein Apotheker oder Arzt gefragt, ob Sie zu einem empfindlichen Magen neigen, bevor er Ihnen ASS empfohlen hat? Wenn ja, gehören Sie zu den glücklichen Ausnahmen. In der Regel erfahren die Menschen erst dann von den Nebenwirkungen, wenn Sie bereits mit großen Magenschmerzen im Krankenhaus liegen.

Bayer selbst sieht in seinem Produkt natürlich keinerlei Gefahr. Das Werk Bitterfeld hat alleine im Jahr 2008 4,3 Milliarden Tabletten für den europäischen Markt hergestellt. Die neueste (seit 2007) von Bayer durchgeführte Studie heißt ARRIVE-Studie (Aspirin to Reduce Risk of Initial Vascular Events) und soll beweisen, dass Aspirin® eben doch zur Prävention bei gesunden Menschen anzuwenden ist. Zu testende Personen? Gerade mal 12.000. Ein Kommentar des Pharmariesen zu der Oxford-Studie ist im Internet natürlich nicht zu finden. Stattdessen heißt es auf der Bayer-Internetseite: »Bei der Prävention eines Gefäßverschlusses ist der Wirkstoff der kleinen weißen Tablette, die Acetylsalicylsäure (ASS), bereits weltweit als Goldstandard anerkannt.« Recht haben Sie – leider.

Bevor Sie in diesem Winter also wieder versucht sind, zur ASS-Tablette zu greifen, sollten Sie sich zweimal fragen, ob Sie Ihrem Körper diese Belastung wirklich antun wollen. Vorsorge durch Vitamine und Naturprodukte bleibt in dem Krieg der Pharmakonzerne um das Geld der Verbraucher eben immer noch die beste Waffe.

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Quellen:

© Das Copyright dieses Artikels liegt beim Kopp Verlag, Rottenburg

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