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Die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Fluglärms

Nicht nur ziviler Fluglärm macht krank, der militärische Fluglärmterror ist viel lauter und nicht nur völlig überflüssig, sondern größtenteils auch noch verfassungswidrig.

Ist der zivile Fluglärm über Mainz gesundheitsschädlicher als der militärische Fluglärmterror über der Westpfalz und dem Saarland?

Einige Anmerkungen zum Umgang mit der jüngsten Greiser-Studie über die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Fluglärms

Der mittlerweile emeritierte Professor Eberhard Greiser beschäftigt sich schon länger mit dem Problem Fluglärm. Im Jahr 2006 hat er im Auftrag des Bundesumweltamtes eine Studie über die Auswirkungen der Lärmemissionen des Flughafens Köln-Bonn auf die Anwohner erstellt, die unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3153.pdf veröffentlicht wurde. Bereits in der LUFTPOST 120/07 (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_07/LP12007_120607.pdf ) haben mit uns mit seinen Erkenntnissen befasst. Der Einfachheit halber drucken wir hier noch einmal ein Zitat aus der Studie des Jahres 2006 ab, das seine Untersuchung und ihre Ergebnisse kurz zusammenfasst:

„Ziel der Studie war es, anhand von Routinedaten gesetzlicher Krankenkassen den Einfluss von Fluglärm des Flughafens Köln-Bonn auf das Verordnungsverhalten niedergelassener Ärzte zu untersuchen. Die Daten von 809.379 Versicherten von 7 gesetzlichen Krankenkassen mit Hauptwohnsitz in der Stadt Köln, im Rhein-Sieg-Kreis und im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden mit adressgenauen Lärmdaten (Flugverkehr, Straßenverkehr, Schienenverkehr) zusammengeführt. Analysiert wurde für vier Zeitfenster des Fluglärms am Tage und in der Nacht der Zusammenhang zwischen Lärmintensität und Arzneiverordnungen für relevante Arzneimittelgruppen. Es zeigten sich von der Lärmintensität abhängige Erhöhungen der Verordnungshäufigkeit und der Verordnungsmenge für Arzneimittel zur Behandlung erhöhten Blutdrucks, Arzneimittel zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen, Tranquillizern, Beruhigungs- und Schlafmitteln. Die Effekte waren bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei Männern. Eine Kombination verschiedener Arzneimittelgruppen, die ein Indikator für schwerer erkrankte Patienten ist, wurde in Abhängigkeit von der Fluglärmintensität deutlich häufiger verordnet als Arzneimittel der einzelnen Arzneimittelgruppen für sich allein. Die stärksten Effekte waren durch Fluglärm in der zweiten Nachthälfte (3.00-5.00 Uhr) zu beobachten. Alle Effekte waren für nächtlichen Strassenlärm, nächtlichen Schienenlärm, Sozialhilfe-Häufigkeit des Stadt- bzw. Ortsteils, die Dichte von Alten- und Pflegeheimplätzen der Gemeinden, sowie die Möglichkeit zur Beantragung von Schallschutzmaßnahmen beim Flughafen Köln-Bonn kontrolliert.“

In seiner neuen Studie bezieht sich Greiser wieder auf den Flughafen Köln-Bonn – der mit Köln-Wahn ja auch einen militärischen Teil hat – und erweitert und vertieft offensichtlich seine bereits 2006 gewonnenen Erkenntnisse über die gesundheitsschädliche Wirkung des Fluglärms. Zu der schon damals festgestellten Erhöhung der Herz- und Kreislauferkrankungen diagnostiziert er jetzt auch noch ein erhöhtes Krebsrisiko.

Auf die erste Greiser-Studie hat die Landesregierung in Mainz überhaupt nicht reagiert. Nachdem der Landeshauptstadt selbst jetzt aber mehr nächtlicher Fluglärm droht, sind die Herrschaften in ihren bequemen Regierungssesseln plötzlich hellwach geworden.

Nach Veröffentlichung der zweiten Greiser-Studie sollen mögliche Auswirkungen auf die Region Mainz untersucht werden, wo sicher auch das eine oder andere Regierungsmitglied wohnt, das natürlich seine Nachtruhe braucht, damit es keinen Herzinfarkt erleidet oder an Krebs erkrankt.

Hendrik Hering, der rheinland-pfälzische SPD-Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, möchte wegen des befürchteten Ärgers mit der Mainzer Hautvolee den gesamten Nachtflugverkehr vom Flughafen Frankfurt auf den Flugplatz Hahn im Hunsrück verlegen. Seine Nachtruhe wäre dadurch nicht gefährdet, denn er wohnt im ruhigen Hachenburg im Westerwald. Was Hunsrücker von seinem Ansinnen halten, ist auf der Website der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn nachzulesen (s. http://www.fluglaerm.de/hahn/index1.html).

Noch einfacher macht es sich die Landesregierung mit den US-Militärflugplätzen Ramstein und Spangdahlem. Schon als die US-Air Force angekündigt hat, dass wegen der Truppenverstärkungen in Afghanistan von Februar bis August 2010 mehr Nachtflüge über diese beiden US-Bases abgewickelt werden, haben Regierung und Landtag nicht dagegen protestiert. Auch im Zusammenhang mit den besorgniserregenden Aussagen aus der Greiser-Studie wurde sofort erklärt, gegen den militärischen Fluglärm könne man nichts tun, der sei Sache der Bundesregierung.

Warum antichambriert dann der rheinland-pfälzische SPD-Innenminister und US-Ehrenoberst Karl Peter Bruch zweimal im Jahr auf Kosten der rheinland-pfälzischen Steuerzahler im Pentagon, wenn die Landesregierung vorgibt, für den Umgang mit den US-Militärs in unserem Bundesland überhaupt nicht zuständig zu sein?

Herr Bruch prahlt doch sonst bei jeder Gelegenheit damit, es sei nur seinen hartnäckigen Bemühungen zu verdanken, dass die US-Stationierungsstreitkräfte nicht schon längst aus Rheinland-Pfalz abgezogen sind und nach den Flugplätzen Zweibrücken, Sembach, Hahn und Bitburg auch noch Ramstein und Spangdahlem aufgegeben haben.

Obwohl der SPD-Ministerpräsdent Kurt Beck und seine sämtlichen SPD-Minister bei ihrem Amtsantritt nach Artikel 100 der Landesverfassung geschworen haben, „ihr Amt unparteiisch, getreu der Verfassung und den Gesetzen zum Wohl des Volkes zu führen“, unternehmen sie nichts gegen die verfassungswidrige Nutzung der US-Flugplätze Ramstein und Spangdahlem für die völkerrechtswidrigen US-Angriffskriege und gegen den militärischen Fluglärmterror, der die Gesundheit der Bewohner ganzer Regionen ruiniert. Mit vielen Steuermillionen subventionieren sie sogar noch den militärischen Flugverkehr, der den Menschen in unserem Land und in den überfallenen Ländern nur Krankheit und Tod bringt. Unsere Frage, wie viel deutsches Geld schon in das Millionengrab US-Air Base Ramstein geflossen ist, hat uns bisher niemand beantwortet (s. http://www.luftpostkl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP14409_060709.pdf ).

Auch nach der Landtagswahl 2011 wird – unabhängig vom Wahlausgang – aller Voraussicht nach nichts gegen die Gesundheitsgefährdung durch militärischen Fluglärm und das daraus resultierende hohe Schadstoffaufkommen (s. http://gis.uba.de/Website/luft/index.htm) getan werden, denn bisher hat sich noch keine Partei für eine Reglementierung des US-Flugverkehrs ausgesprochen. Dabei wissen alle, dass durch die Kündigung des Stationierungsvertrags sogar ein kompletter Abzug aller US-Streitkräfte aus der Bundesrepublik innerhalb von zwei Jahren durchzusetzen wäre.

Herzlichen Dank an die Quelle:  www.luftpost-kl.de
VISDP: Wolfgang Jung, Assenmacherstr. 28, 67659 Kaiserslautern

Ein Kommentar zum Beitrag

  1. Insgesamt hat sich die Belastung der Bevölkerung durch Fluglärm in den letzten 40 Jahren erheblich erhöht. Zwar sind die einzelnen Flugbewegungen leiser geworden, dieser Effekt wird jedoch durch die zunehmende Anzahl der Flugbewegungen überkompensiert. Die Lärmreduzierung von Flugzeugen hat sich zudem hauptsächlich beim Startvorgang ausgewirkt; beim Landelärm gab es kaum Fortschritte.
    Quelle:
    http://www.deol.de/articles/434/1/Fluglarm/Seite1.html

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