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Frauengesundheit: Hormone als Goldgrube für die Pharmaindustrie

Der moderne Mensch – von der Wiege bis zur Bare, eine hormonelle Ware?

Ein Artikel von Dr.  med. G. Schmale, Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur

Vor kurzem war ich zu einer Versammlung von Gynäkologen geladen. Es waren allerdings nur Ärztinnen gekommen. Veranstalterin war eine Frauenärztin, die offenbar zu dem Schluss gekommen war, dass ein routinemäßiger Einsatz von Östrogenen im Klimakterium nicht indiziert sei und dass die Industrie offenbar aus ökonomischen Gründen die wissenschaftlichen Studienaussagen manipuliert habe.

Ich fragte die Runde, wie sie sich jetzt als Frauen fühlten, nachdem sie über Jahrzehnte Östrogene an ihre Patientiennen verschrieben hätten. Ich hatte gehofft, sie würden sagen, sie seien stinksauer und dass sie von jetzt an nicht mehr so gutgläubig und Industrie-hörig sein wollten.

Stattdessen kam: Woher hätten wir denn das wissen sollen? Wir sind doch auf Studien angewiesen. Sie meinten, es wäre arrogant mit dem gesunden Menschenverstand eines ausgebildeten Mediziners an die Sache herangehen zu wollen. Wie könne man denn dem (Verstand) mehr vertrauen als den Studien?

Aber schauen wir uns an ob das nicht doch möglich ist und in Zukunft sogar dringend notwendig sein wird, denn das Beweismaterial dafür, wie sehr die medizinische Wissenschaft sich im Detail verloren hat und die Lebenszusammenhänge meist gar nicht mehr überschaut, ist geradezu erdrückend. Aber genau das macht sie so extrem hilflos und manipulierbar.

Dem naturwissenschaftlich analytischen Ansatz fehlt die Zusammenschau von Erde und Kosmos, von West und Ost, von Zorbas und Buddha und ihre Orientierungslosigkeit ist zur Zeit ein gefundenes Fressen für die Pharmakonzerne.

Das Leben eines Menschen besteht aus verschiedenen Lebensphasen und Übergangsphasen, die im Idealfall miteinander verfließen. Da in den Übergangsphasen umgeschaltet wird, sind diese Zeiten besonders störanfällig. Wurde die vergangene Phase inhaltlich nicht voll gelebt oder kam es zu Störungen, die aber kaschiert und somit nicht auffällig wurden, wird die ohnehin schwierige Umschaltung noch zusätzlich erschwert und umso offener tritt die Störung dann in der neuen Phase zutage.

Konkreter: Zwei einschneidende Phasen im Leben einer Frau sind der Beginn und das Ende ihrer Fruchtbarkeit. Die erste Phase die aufwühlende Pubertät – kennen sowohl Männer wie Frauen.

Pfiffige Werbeabteilungen der Pharmaindustrie könnten nun auf die Idee kommen, die Pubertätsschwierigkeiten in ähnlich verdummender Logik wie beim Klimakterium als eine Östrogen- oder Testosteron-Überschuss-Krankheit zu bezeichnen. Oder man könnte auch mit gleichem Unrecht die Zeit vor der Pubertät als Östrogenmangelkrankheit bezeichnen und schon den Babies Östrogenen verabreichen. So dreist ist aber zum Glück bisher noch niemand gewesen.

Aber weiter zur zweiten Phase der Frau, das Klimakterium – ihren Wechseljahren. Meist um das 49. Lebensjahr herum, also mitten im tätigen Leben, 16 Jahe vor der Rente (mittlerweile vielleicht auch 17).

Die etwa 35 Jahre weibliche Fruchtbarkeit sind von Anfang bis Ende rhythmisch in monatlichen Zyklen durchstrukturiert. Sie dienen dazu, jeden Monat eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Gesteuert werden sie über Botenstoffe, bzw. Hormone – Östrogene, Gestagene – die so etwas wie Briefträger sind, also nicht verantwortlich für den Inhalt der Briefe.

Zu Beginn eines Zyklus wird die Gebärmutterschleimhaut zu einer Art Nest für das Ei hergerichtet, dann der Eisprung ausgelöst und die Schleimhaut zu einem regelrechten Futterplatz umgebaut. Findet nun keine Befruchtung statt, wird dieser wieder abgestoßen. Monat für Monat, bis irgendwann eine Schwangerschaft eintritt. Diese Zyklen lösen also jedes Mal extreme Wachstumsimpulse aus – und zwar über die Östrogene – die aber bei gut funktionierender Eigensteuerung des Körpers sehr wachsam abgesichert werden, damit das Wachstum nicht in Richtung Krebs ausufern kann.

Zudem erfährt der Körper jedes Mal in der Periode eine gründliche Entsorgung dieses explosiven Zellmaterials. Dabei muss er zu einem äußerst riskanten Mittel greifen: Er lässt in einer kontrollierten Blutung die Gebärmutterschleimhaut abbluten. All diese Vorgänge sind kompliziert, ja sogar riskant bis hin zur Lebensgefahr. Jede Frau weiß, wie leicht hierbei durch unregelmäßige, zu starke bis hin zu unstillbaren Blutungen brenzlige Situationen entstehen können.

Nun wird die Frau also mit etwa 49 Jahren aus der Zeit der Reproduktion entlassen. Da werden jetzt auch die entsprechenden Botenstoffe überflüssig. Durch deren Wegfall kann man aber nicht, wie dies seitens der Pharmaindustrie gerne dargestellt wird, von „einem Schritt ins Rentenalter“ oder gar „ins Alter“ sprechen.

Vorbei ist nur die Zeit der riskanten und explosiven Hormonmixturen und die Botenstoffe haben jetzt eine andere Botschaft zu übermitteln – nämlich einen Lebensrhythmus einzuleiten, der eher gleichbleibend und ruhig verläuft. Ihr niedriger Östrogenspiegel ist also in dieser Lebensstufe genauso wenig ein Mangel wie im Babyalter.

Allerdings können, wenn der Östrogenspiegel fällt, plötzlich Störungen offenbar werden, die vorher durch die Östrogene verdeckt worden waren und deshalb bis jetzt möglicherweise keine Beschwerden verursacht hatten. Was sind z.B. die Hauptbeschwerden des Klimakteriums? Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen.

Sehen wir uns zunächst an, wie sogenannte exakte Wissenschaft mit den Hitzewallungen umgeht:
Ab Mitte des letzten Jahrhunderts vermag man Hormone nicht nur zu messen, sondern auch synthetisch herzustellen. Und hier nun verrät sich die Achillesverse der heutigen Wissenschaft. Ein Symptom – Hitzewallungen – wird damit erklärt, dass die Produktion eines winzigen biochemischen Moleküls – Östrogen – abnehme. Testweise verabreicht man dieses Molekül nun als Medikament.

Bei vielen Patientinnen verschwinden statistisch signifikant die Hitzewallungen. Der Beweis ist erbracht. „Evidence-Based Medicine“ nennt man sowas heutzutage – etwa eine medizinische Wissenschaft, die auf Therapieerfolgen basiert. Wissenschaft? Dieser Wissenschaft ist es offenbar egal, dass der Rückgang des Östrogens physiologisch völlig normal ist.

Es heißt zwar, „wer heilt hat Recht“ – nur heilt ja niemand. Hier werden nur Symptome beseitigt und das ist ein riesen Unterschied. Die Störung, deren Anzeichen die Hitzewallungen der Wechseljahre sind, schreit jetzt normalerweise nach sinnhafter Therapie, wird aber einfach nur zum Schweigen gebracht.

Und da liegt die ganze Tragik: Der Hilferuf wird nicht richtig interpretiert, sondern kurzerhand ohne Rücksicht auf die Zusammenhänge einfach abgestellt. Wie ein Wecker. Da wird mit einer vorhersagbar gefährlichen und nicht adäquaten Therapie – Östrogengabe – scheinbar erfolgreich behandelt.

Es hätte keine jahre- oder jahrzentelanger Studien bedurft, eine Krebsgefährdung zu erkennen. Bei aufrichtigem Bemühen um Erkenntnis, hätte bei jedem Arzt das medizinische Wissen des Physikums – medizinisches Vorexamen, nach vier Semestern – ausreichen müssen, um die Gefährdung zu begreifen! So simpel sind die Zusammenhänge und so sehr liegen sie auf der Hand.

Dabei lassen sich die Beschwerden mit Hilfe individueller Therapien, wie der chinesischen Kräutertherapie oder der Homöopathie, fast immer durchaus zufriedenstellend lindern. Trotzdem wurde eine exzessive Hormontherapie betrieben. Wie kam es dazu?

Die Kurzsichtigkeit unserer Wissenschaftler hat hier unseligerweise der Gier der Pharmakonzerne die erwünschten Leckerbisse in den aufgesperrten Rachen geworfen. Ein geradezu fatales Duo im Bunde mit einer gehetzten und existenzbedrohten Ärzte- und Patienenschaft, die nur auf eine schnelle Problemlösung aus sind.

Hier nun sind wir Ärzte als rebellische Individuen gefordert und nicht als Handlager einer lieb- und rücksichtslosen Ökonomie, sonst machen wir uns genau zu dem „Geschlecht von dienstbaren Zwergen„, zu dem Berthold Brechts Galileo Galilei die Naturwissenschaftler in seiner düsteren Zukunftsvision verkümmern sieht.

Worin besteht aber nun die Rolle der Ökonomie? Nun, ein Präparat hat ein Markt gesucht und gefunden. Plötzlich konnte man Östrogene produzieren und das war und ist eine unbestrittene Glanzleistung der Chemiker. Unser geltendes ökonomisches Bewusstsein hat reflexartig gefordert „jetzt müssen wir das zu klingender Münze machen“.

Also wurden erstmal die klimakterischen Beschwerden behandelt und der Dollar rollte. Die Werbeabteilungen wurden visionär, sie erkannten plötzlich wie das Klimakterium eigentlich doch schon das Alter einläutet. Im generalistischen Zeitraffer übersahen sie, dass allein bis zum Rentenbeginn noch 15 Jahre fehlten (oder auch 17).

Aber da kramten sie die Osteoporose mit 80 hervor und versprachen sich plötzlich „wenn wir es schaffen, den Östrogenabfall damit in Verbindung zu bringen, kann man uns ja erst in 30 Jahren das Gegenteil nachweisen und bis dahin können wir alle Frauen ab 50 – welch ein Markt – bis an ihr Lebensende mit Hormonen vollpumpen. Das bringt Milliarden und Abermilliarden Euro. Schließlich kann die Sache erst auffliegen, wenn wir Marketingleute selber unser Schäflein im Trockenen haben.“

Also wurde und wird den Frauen erst einmal richtig eingeheizt mit Altersängsten. In vielen Zeitschriften sieht man Anzeigen mit Rollstühlen und Witwenbuckeln, etc. Den Frauen wird weisgemacht, sie könnten bis zum Tode faltenfrei und lebensfroh und munter bleiben. Und dass dies das Mindeste wäre, was sie von jetzt an bitteschön auch den Männern schuldeten und wenn letztere sich plötzlich in jüngere Frauen verliebten, hätten sie sich das heutzutage selber zuzuschreiben.

Die Medien jubelieren über die Flut gewinnbringender Anzeigen, Professoren werden unter kostenlosen Mustern begraben, damit sie bitteschön neue Studien starten. Prompt verfallen sie in ein wahren Forschungsrausch, denn das gibt Doktorarbeiten, Veröffentlichungen, Kohle und Glorie, Symposien von der Industrie bezahlte Reden und nochmal Symposien.

Unerforscht dabei auf der Strecke bleibt das Naheliegendste – nämlich, wie man durch eine Umstellung der Lebensweise vor dem Klimakterium, den kritischen Übergang erleichtern, bzw. die Störungen, die längst entstanden sind, schon vorher erkennen und entschärfen könnte.

Doch wer sollte bei diesem System ein Interesse daran haben? Die Gynäkologen sind fasziniert – waren ihre Patientinnen meist nur zwischen zwischen 15 und 49 Jahre alt, so bleiben sie ihnen jetzt fürs Leben erhalten. Hormone sind verschreibungspflichtig und wegen Krebsgefährdung sind Kontrolluntersuchungen fällig – wer sollte da widerstehen?!

Noch eines: Männer sterben häufiger am Herzinfarkt als Frauen vor dem Klimakterium und diese Tatsache hat, ungelogen, einige Forscher zu folgender Überlegung beflügelt: „Worin unterscheiden sich denn Männer und Frauen? Frauen produzieren mehr Östrogene, geben wir also auch einfach mal den Männern Östrogene und schauen, ob sie dann weniger Herzinfarkte bekommen.“

Und was geschah? Männer bekamen statt weniger, mehr Herzinfarkte. Die Forscher waren deprimiert und legten eine Pause ein. Bis jemand auf die Idee kam, es mal mit den Frauen zu versuchen. Die schließen nämlich nach dem Klimakterium in der Herzinfarkthäufigkeit statistisch zu den Männern auf  – und siehe da, die einschlägigen Statistiken ließen sich eine Zeit lang im Sinne einer Veringerung der Herzinfarkthäufigkeit interpretieren, was freilich manipulierbar ist. Also entstand die Mär „Östrogene schützen auch vor Herzinfarkt“.

Erst die sogenannte HERS-Studie zeigte, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Gefährdung unter Östrogene steigt auch bei Frauen an, denn woran liegt es denn, dass Frauen vor der Menopause weniger Herzinfarkte bekommen als Männer? Daran, dass sie sich bis zur Menopause über die monatliche Periode entgiften können und da dieser „Blitzableiter“ nach der Menopause fehlt, fällt ihr Vorsprung gegenüber uns Männern weg.

Wer aber jetzt denkt, das Thema wäre damit vom Tisch und die Industrie würde sagen „OK, wir sind durchschaut, ziehen wir uns also elegant zurück“, der irrt meiner Meinung nach. Ich wage folgenden Ausblick:

Demnächst wird man den Spieß umdrehen und folgendes sagen:
„Brust- und Gebärmutterkrebs werden von einem Östrogen-Überschuss verursacht. Warum also nicht die Frauen durch Medikamente vorzeitig in die Menopause versetzen? Dann machen wir bei einem eventullen Kinderwusch die Menopause halt kurzfristig rückgängig“.

Man wird von der Gefährlichkeit der Östrogene sprechen und die Empfängisphase der Frau als Östrogen-Überschuss-Krankheit bezeichnen. Da sind dann natürlich geringe Dosen von Hormonen fällig, um Herz und Knochen zu schützen, denn durch besagte Medikamente wird ja die Eigenproduktion der Hormone unterbunden.

Weitere Artikel von Dr. med. Schmale unter www.ratgeber-tcm.de

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2 Kommentare zum Beitrag

  1. Die Geister die ich rief….
    Insgesamt ist die Wirkung von Hormonen nur sehr unzureichend erforscht. Wenn erst einmal klar wird, was Hormone im Körper bewirken, wird man die Medikation mit Antibabypille, Östrogenen etc. als archaischen Wahnsinn entlarven. Aber bis dahin…

  2. und die, die keine nehmen, nehmen sie doch, denn Hormone werden ausgepinkelt und können nicht in der Kläranlage vernichtet werden.

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