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Gefährliche Dioxine im Wasser

Plastikmüll überschwemmt die Ozeane. Unter den Bedingungen von Salzwasser und Sonneneinstrahlung setzen sie mehr giftige Chemikalien frei als bisher bekannt.

VON REINHARD WOLFF, taz.de

Die Meere sind zu Müllkippen geworden, Plastikflaschen und Tüten übersäen entlegenste Strände. Doch während der Kunststoff, den man sieht, allenfalls die Aussicht stört und eine Gefahr für Tiere darstellt, die sich darin verfangen, an ihm ersticken oder ihn fressen, sind die unsichtbaren Folgen dieser Abfallschwemme eine unterschätzte Gefahr für die Umwelt.

Japanische Forscher haben herausgefunden, dass auch bislang als relativ stabil eingeschätzte Kunststoffe sich in den Ozeanen schon nach kurzer Zeit und bei niedrigen Temperaturen teilweise abbauen. Dafür sorgen das salzhaltige Wasser, die Sonneneinstrahlung, Regen und die mechanische Einwirkung der Wellen. Freigesetzt werden unterschiedlichste Chemikalien. Sie werden von im Meer lebenden Organismen aufgenommen und reichern sich in der Nahrungskette an.

Laut Katsuhiko Saido, Chemieprofessor an der japanischen Nihon University, der jetzt entsprechende Studien bei der Jahrestagung der American Chemical Society in Washington präsentierte, war die Abbaugeschwindigkeit von Kunststoffen bislang grob unterschätzt worden. Weniger als ein Jahr genüge, bis gefährliche Dioxine im Meerwasser landeten.

Zum Beispiel Polystyrolschaumstoffe wie Styropor, die in großen Mengen in den Meeren schwimmen: Sie werden japanischen Forschern nach unter ozeanischen Bedingungen schon bei Zimmertemperatur abgebaut und setzen Styrenmonomere frei, die auch für Menschen als Krebs erregend gelten.

Oder Bisphenol A (BPA), eine Alltagschemikalie, die etwa in Plastikschüsseln, Konservendosen oder CDs Verwendung findet. Erste Länder haben BPA als möglicherweise gesundheitsschädlich klassifiziert, teilweise wurden Babytrinkflaschen aus BPA aus dem Verkehr gezogen.

Bei „sachgemäßer Anwendung“ sehen die EU und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung keine Gefahr durch BPA. Doch der Abbauprozess im Meer ist nicht „sachgemäß“. Das zunehmende Vorkommen dieser Chemikalie in der Meeresumwelt und seine Aufnahme durch Meereslebewesen stellt laut Katsuhiko Saido die Quelle für eine fortdauernde Kontamination dar, deren Auswirkungen bislang noch nicht ausreichend erforscht seien. Ähnlich wie das Insektengift DDT würden die entsprechenden Chemikalien auch nach Generationen noch schädliche Wirkungen entfalten, selbst wenn man sie von heute auf morgen vom Markt nehmen würde.

Im Auftrag der schwedischen Naturschutzbehörde hat Fredrik Norén, schwedischer Experte für Meeresplankton, die Folgen der Müllschwemme im Meer untersucht. An 17 Stellen der schwedischen Westküste wurde die Menge an mikroskopisch kleinen Kunststoffpartikeln und Fibern gemessen, die im Meerwasser treiben. „Wir fanden zwischen 1.000 und 10.000 Partikel pro Kubikmeter. Das ist absolut alarmierend“, sagt Norén. Diese Partikel hätten eine dem Plankton, dem Grundnahrungsmittel vieler Meereslebewesen, vergleichbare Größe, gelangten über die Fische in die Nahrungskette – und landeten irgendwann wieder im menschlichen Körper.

[Quelle: taz.de]

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