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Gentechnisch veränderter Reis an Kindern getestet

Ohne vorherige Fütterungsversuche an Tieren wurde „Goldener Reis“, der durch gentechnische Veränderungen Provitamin A enthält, an Kindern in China getestet. Eine Verletzung ethischer Standards, die foodwatch verurteilt. Transgene Pflanzen können unerwartete Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben.

Nachdem foodwatch im Januar 2009 eine kritische Recherche (PDF) zu „Golden Rice“ veröffentlicht hatte, ist inzwischen bekannt, dass trotz unzureichender Datenlage bereits Versuche mit chinesischen Schulkindern durchgeführt wurden. „Golden Rice“ ist eine Reissorte, die Wissenschaftler durch gentechnische Eingriffe so verändert haben, dass in den Körnern Carotin gebildet wird. Der Reis nimmt eine gelbe Farbe an und kann das lebensnotwendige Vitamin A liefern. Jährlich erblinden in der Dritten Welt 500.000 Kinder, weil sie nicht genügend Vitamin A zu sich nehmen. Die Hälfte von ihnen stirbt innerhalb von zwölf Monaten. Die Gentechnikindustrie propagiert diesen „goldenen“ Reis als Wundermittel gegen die Vitamin-A-Mangel-Krankheit.

Tests an Schulkindern ohne vorherige Fütterungsversuche mit Tieren

Nach den Recherchen von foodwatch erscheint das angeblich rein humanitäre Projekt als sehr undurchsichtig: Selbst banale Daten wie der für die Wirksamkeit entscheidende Carotingehalt im Reis werden nicht veröffentlicht. Untersuchungen zu möglichen Risiken fehlen. foodwatch schrieb deshalb an die Rockefeller Foundation und die Bill & Melinda Gates Foundation, die das Projekt finanzieren, und forderte sie auf, ihr Engagement zu überprüfen. Doch während die Stiftungen ausweichende Antwortbriefe schickten, wurden in den letzten Monaten bereits Tests an chinesischen Kindern durchgeführt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das geht seit März 2009 aus der Internetseite der Projektbetreiber, des sogenannten „Golden Rice Humanitarian Board“, hervor (siehe „Golden Rice has been researched thoroughly“). Und das, ohne vorher durch Fütterungsversuche an Tieren überprüft zu haben, ob der Verzehr von „Golden Rice“ tatsächlich unbedenklich ist.

Wie berechtigt die Warnung vor unerwarteten Folgen bei der Übertragung von Genen ist, zeigt eine Untersuchung aus dem Jahr 2005: Bei der Manipulation von Erbsen mit Genen aus der Bohne kam es zunächst zu kleinen Veränderungen am Eiweiß. Diese führten aber dazu, dass die Erbsen lebensbedrohliche Reaktionen des Immunsystems auslösten. Wer sich, wie das Golden-Rice-Team laut Internetseite, selbst „zu den höchsten Sicherheitsstandards bei der Risikobewertung verpflichtet“, müsste vor diesem Hintergrund Versuche an Menschen und erst recht an Kindern ohne vorherige Test an Tieren selbstverständlich ablehnen.

foodwatch fordert Stopp der Tests und Veröffentlichung aller Daten

foodwatch hat deshalb erneut an die beiden Stiftungen geschrieben und sie aufgefordert, jegliche Tests an Menschen zu stoppen, solange die Sicherheitsfragen nicht geklärt sind. Zudem müssen alle Informationen, die dem Projektteam vorliegen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Zweck des „Golden Rice“-Projektes erscheint fraglich. Denn Spezialisten räumen der Ausgabe von Vitaminpillen, der Anreicherung von normalen Lebensmitteln mit Vitamin A und der Unterrichtung der Menschen im Anbau von Karotten und speziellem grünen Gemüse inzwischen mehr Aussicht auf Erfolg ein als dem Einsatz von Gentechnik.

Die humanitäre Motivation der „Golden Rice“-Macher gerät ins Zwielicht einer Kampagne, mit der gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln zum Durchbruch verholfen werden soll, indem man sie als einziges Mittel gegen gefährliche Mangelernährung darstellt. Ein Projekt, mit dem gleichermaßen das Image der Gentechnik verbessert, Standards für die Risikoprüfung abgesenkt und Kritiker von Gentechnik-Nahrung moralisch unter Druck gesetzt werden sollen.

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