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„Gentechnik gnadenlos verhindern“

bi2Das Magazin Schrot & Korn interviewt den Schauspieler und Gentechnikgegner Robert Atzorn (Dr. Specht aus dem Fernsehen)

Von Schrot&Korn-Autor Manfred Loosen in Berlin

Wie sind Sie dazu gekommen, die Aktion Genfrei-Gehen zu unterstützen?

Robert Atzorn: Ich kenne Joseph Wilhelm (Initiator der Aktion, Anmerkung der Redaktion) schon fast 20 Jahre. Er hatte mich bereits 2007 bei seinem ersten Marsch gegen Gentechnik gebeten mitzulaufen. Bis dahin war das eigentlich nicht so mein Thema.

Das ist – glaube ich – überhaupt das Hauptproblem: Das Thema Gentechnik fließt bei den Leuten vorbei; die Medien berichten nicht genug darüber. Jedenfalls konnte ich damals nicht mitwandern und dieses Jahr kann ich wieder nicht. Aber jetzt wollten meine Frau und ich wenigstens zum Start nach Berlin kommen.

Was stört Sie an der Gentechnik?

Robert Atzorn: Es ist einfach schlimm, dass ganz wenige Konzerne 90 Prozent des Saatgutmarktes innehaben, dass die Behörden das alles oft gar nicht mehr kontrollieren, sondern die Studien der Saatguthersteller übernehmen. Wir wissen meist gar nicht mehr, wo diese Gentechnik überall schon drinsteckt. Ich will dieses Zeug einfach nicht essen.

Ist das der Grund, warum Sie heute hier beim Auftakt von Genfrei-Gehen sind?

Robert Atzorn: Ich finde es wunderbar, dass sich Joseph Wilhelm auf diese positive Art für eine gentechnikfreie Welt einsetzt. Er zeigt uns, wie weit das alles schon fortgeschritten ist und wie wenig wir aufgepasst haben, um das zu verhindern.

Ich bin kein Politiker und kann überhaupt nicht verstehen, wie man es zulassen kann, dass so viele gentechnische Versuche gemacht werden. Ich frage mich, muss das sein? Wir wissen ja noch gar nicht, welche verheerenden Folgen die Genmanipulation hat – auch für die Gesundheit von uns Menschen, denn es fehlen die Langzeitstudien!

Wie stellen Sie für sich sicher – oder einigermaßen sicher –, dass Sie keine gentechnisch veränderten Lebensmittel essen?

Robert Atzorn: Ein Beispiel: Ich liebe Kaugummi. Dann habe ich gelesen, dass da Aspartam drin ist. Das ist 200 Mal süßer als Zucker. Dass es gentechnisch hergestellt wird, muss auf dem Kaugummi aber nicht draufstehen. Außerdem setzt Aspartam den Sättigungseffekt außer Kraft.

Und dann wundern wir uns, wenn unsere Kinder zunehmen und wir selbst vielleicht auch! Aspartam ist schon in etwa neuntausend Lebensmitteln drin. Also, ich esse jetzt kein Kaugummi mehr, obwohl mir das schwerfällt.

Auf Fleisch und Milch steht auch nicht drauf, wenn die Tiere gentechnisch verändertes Futter bekommen haben. Wie vermeiden Sie solche Lebensmittel?

Angelika Atzorn: Von einigen Firmen weiß ich, dass sie ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe arbeiten. Das sind meist Bio-Firmen. Im Chiemgau, wo wir leben, kaufe ich das Obst und Gemüse im Bio-Laden oder beim Bauern.
Robert Atzorn: Im Chiemgau gibt es mittlerweile eine große Bewegung, die sich dafür einsetzt, gentechfrei zu bleiben und sich biologisch und gesund zu ernähren.

Auch Sie ernähren sich möglichst gesund.

Robert Atzorn: Ja, soweit ich das kann. Allerdings bin ich nicht immer zu Hause und wenn ich beim Drehen ein Catering kriege, dann weiß ich meist nicht, wie gesund das ist. Es ist aber auf jeden Fall immer vegetarisch, was ja schon mal ganz gut ist. Ich tue, was ich kann. Aufpassen müssen wir halt alle, achtsam sein mit dem, was wir zu uns nehmen.

Wieso wurden Sie Vegetarier?

Robert Atzorn: Irgendwann kapiert man, wie schädlich es ist, oft und viel Fleisch zu essen. Dann probiert man es ohne Fleisch und merkt, dass einem das guttut. Ich bin kein Hardcore-Vegetarier.

Das war ich mal so vier, fünf Jahre lang. Aber Fisch esse ich inzwischen wieder. Das ist zwar auch nicht so toll, aber Fisch esse ich einfach ab und zu ganz gern.

Sie sind beide Vegetarier?

Angelika Atzorn: Natürlich, ich koche ja! Mein Mann schnippelt gerne.
Robert Atzorn:
Wir kochen gerne zusammen, ich mache dann die Sklavenarbeit und sie haut das zusammen (er grinst). Da bin ich nicht so gut drin.
Angelika Atzorn:
Unsere Kinder waren auf der Waldorfschule; dadurch haben wir die Vollkornküche kennengelernt, haben alles Mögliche mal ausprobiert: Fünf-Elemente-Küche, Vollwertküche und so weiter. Wir haben nicht alles weitergemacht, aber Vegetarier sind wir geblieben.

Sie haben im vergangenen Jahr eine Fernseh-Dokumentation mit Frank Schätzing gemacht zum Thema Meeresverschmutzung und Überfischung. Wie kam es dazu?

Robert Atzorn: Das war in der Zeit, als wir in Hamburg wohnten. Ich habe den Regisseur dieses Projektes kennengelernt, der das für den Norddeutschen Rundfunk produziert hat. Das war ein extrem spannendes Projekt.

Aber auch extrem deprimierend, wenn man erfährt, was da abgeht mit der Verschmutzung der Meere, der Überfischung, dem steigenden Meeresspiegel durch Klimawandel und Erderwärmung. Da muss die Politik einfach mehr tun!

Und was muss die Politik tun, wenn es um die Grüne Gentechnik geht?

Robert Atzorn: Man muss die Grüne Gentechnik gnadenlos verhindern. Warum die Politiker das nicht machen, weiß ich nicht; vielleicht, weil sie da in irgendeiner Abhängigkeit sind.

Und was kann jeder Einzelne tun?

Robert Atzorn: Wir haben natürlich die Kaufkraft. Wir können gucken, wo Gentechnik drin ist. Aber da es bei Fleisch und Milch zum Beispiel nicht ausgezeichnet werden muss, ist das natürlich manchmal schwer.

Da ist man nur bei Bio-Ware sicher. Man müsste irgendwie alle Produkte, in denen gentechnisch veränderte Rohstoffe sind, mit einem knallroten Siegel versehen: „Hier ist genmanipulierte Nahrung drin!“ Ähnlich wie bei Gift oder bei Atomkraft, wo ein Totenkopf drauf ist. Das wäre doch klasse.

Da gingen die Käufer dran vorbei und nähmen es nicht mit. Aber momentan wird es uns untergejubelt.
Angelika Atzorn:
Wir alle brauchen mehr Information. Und dann müssen wir uns bemerkbar machen, es weitersagen. Das ist wichtig!

[Quelle: www.schrotundkorn.de]

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