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Hunderte Menschen wegen Diabetes-Medikament „Mediator“ gestorben

Der aktuelle Arzneimittel-Skandal in Frankreich: Ende 2010 war dem Pariser Gesundheitsministerium bekannt, dass etwa 500 Menschen aufgrund von Nebenwirkungen des Diabetes-Medikamentes „Mediator“ zu Tode gekommen sind. Nun geht man aktuell von etwa 2.000 Betroffenen aus.

Das Medikament wurde für übergewichtige Diabetiker vom Pharmakonzern Servier entwickelt und bereits 1976 auf dem französischen Markt – jedoch nicht in Deutschland – zugelassen. Da Mediator eine appetithemmende Wirkung hat, wurde es auch gesunden Menschen (ohne Diabetes) zum Abnehmen verschrieben.

boulevard-baden.de:

Der Fall Mediator hat einige Lücken in der Kontrolle von Medikamenten aufgezeigt. Viele Risiken werden erst bekannt, wenn die Arzneien schon längst verschrieben und von tausenden Patienten eingenommen werden. So mussten in den vergangenen Jahren unter anderen Vioxx, Sibutral, Avandia und nun Mediator vom Markt genommen werden. Aktuell gibt die staatliche französische Zulassungsbehörde Afssaps an, 76 Medikamente „erneut zu prüfen.“

Viel zu spät, sagen viele Kritiker. Bruno Toussaint, Herausgeber der französischen pharmakritischen Zeitschrift „Prescrire“, hatte schon 1997 vor Mediator gewarnt. „Die französischen Kontrollen haben versagt“, sagt Toussaint. Die Pharmaindustrie aber sieht sich nicht in der Verantwortung. Jacques Servier, Gründer und Patron des gleichnamigen Pharmakonzerns, hatte mit seinen Äußerungen Anfang Januar die französische Öffentlichkeit schockiert. „Die Ärzte stehen hinter uns, alle Kardiologen unterstützen uns„, behauptete der 88-Jährige. Bislang bestreitet die Firma, für die Todesfälle verantwortlich zu sein. „Wir gehen von nur drei Todesfällen aus„, so Servier. Die verstorbenen Patienten hätten noch unter vielen weiteren Krankheiten und Risikofaktoren gelitten und seien daran gestorben, lautet die offizielle Linie des zweitgrößten französischen Pharmakonzerns.

Videolink: https://youtu.be/J4Mjt6wAC8Y

Solche Fälle gibt es nicht nur in Frankreich, sondern weltweit – natürlich auch in Deutschland:

Unternehmer.de:

Wenn es um Pillen geht, verschließen sich in Deutschland die Türen. “Keine Industrienation geht mit der Zulassung seiner Arzneimittel so intransparent um, sagte Wolfgang Becker-Brüser der Nachrichtenagentur dapd. Der Mediziner und Apotheker gibt das “Arznei-Telegramm” heraus, das unabhängig und werbefrei über Medikamente informiert. Der französische Skandal um Mediator zeigt die Lücken in der Kontrolle von Arzneimitteln, sagte Becker-Brüser.

Der „Arznei-Kenner“ Becker-Brüser gibt auch ein vernichtendes Urteil über die chemischen Präparate der Pharmaindustrie ab: “Zwei Drittel der zugelassenen Wirkstoffe sind überflüssig oder schädlich.”

Becker-Brüser und sein Team führen ständig Arzneimittel-Prüfungen durch und veröffentlichen diese im „Arznei-Telegramm“. Dabei verfügen sie gerade mal nur über einen winzigen Bruchteil der Gelder, die den Bundesbehörden und der Industrie für ihre Prüfungen und Studien zur Verfügung stehen. Trotzdem sind sie unseren Behörden meist weit voraus.

Ein Beispiel ist der Fall mit dem Diabetesmedikament „Avandia“. Bereits bei der Markteinführung im Jahre 2000 warnte Becker-Brüser vor diesem gefährlichen Medikament. “Die Marktzulassung eines derartigen Produktes können wir nicht nachvollziehen.“ Es war für die unabhängigen Wissenschaftler sehr bedenklich. Erst zehn Jahre später(!!!), nachdem zahlreiche Menschen die Nebenwirkungen erfahren mussten, hat die EMA (Europäische Arzneimittelbehörde) die Rücknahme des Medikamentes empfohlen. Empfohlen!

Unternehmer.de:

Eine typische Strategie der Pharmaindustrie sei es zum Beispiel, bei den Vergleichsstudien zu tricksen. “Es ist leicht, neben einem leeren Placebo eine Wirkung zu zeigen”, sagte Becker-Brüser. Wenn das neue Medikament wirksamer sein solle als das alte, werde es mit einer schwächeren Dosis des herkömmlichen Medikaments verglichen – und schon habe man das gewünschte Ergebnis.

Links zu ähnlichen Fällen:

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