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„Konsument wird bewusst getäuscht“ – Interview mit Thilo Bode von Foodwatch

Robben seien besser geschützt als die Verbraucher, kritisiert der ehemalige Greenpeace-Chef Thilo Bode

Der Gründer der deutschen Konsumentenschutzorganisation „Foodwatch“ über Holzpilze im Joghurt, Acrylamid in Chips und das lukrative Geschäft mit Fleischabfällen.

Sie sagen, dass Konsumenten vono der Lebensmittelindustrie betrogen und in die Irre geführt werden. Inwiefern?
Man weiß nicht, was man für sein Geld bekommt. Man kann die Werbeversprechungen der Industrie – von Begriffen von gesund über natürlich bis hausgemacht – ja nicht nachprüfen. Auch am Preis kann man sich nicht orientieren. Billig heißt nicht automatisch schlecht und teuer nicht immer gut.

Ein Beispiel?
Beim Kauf von Chips kennt man den Anteil Acrylamid – ein krebserregender Stoff – nicht. Wir haben in Deutschland festgestellt, dass bei Chips von Lidl 50 Mikrogramm Acrylamid pro Kilo enthalten sind, bei Pringles von Proctor & Gamble waren es 1600 Mikrogramm. Da dürfte ein Kind gerade mal fünf stück am Tag essen.

Stichwort Gammelfleisch: Ist der Konsument auch selbst schuld an den Fleischskandalen, weil er immer billig einkaufen will?
Nein, Schuld sind die Gesetze, die zum Missbrauch von Fleischabfällen einladen. Jedes Jahr werden 16 Millionen tonnen Fleischabfall quer durch Europa geschickt. Europas größter Fleischhändler Vion, verdient besser mit dem Handel von Abfällen als mit dem Handel von genießbarem Fleisch. Es fehlt eine Herstellerhaftung quer durch alle Handelsstufen.

Also könnten nur geänderte Gesetze Abhilfe schaffen?
Ja, die Komsumenten sind rechtlos, sie können nicht klagen. Sie müssten beweisen, dass die Angaben der Produzenten nicht stimmen, aber das können sie nicht. Es wird oft mit ländlichen Idyllen geworben, die nichts mit der Realität zu tun haben. Hinter der Marke Landliebe steht zum Beispiel der holländische Großkonzern Campina. Oft wird als „gesund“ angepriesen, was weit davon entfernt ist. der Konsument wird bewusst getäuscht.

Mit welchen Werbeslogans wird getäuscht?
Lesen Konsumenten am Erdbeerjoghurt „Natürliches Aroma“, denken sie an den Saft der Erdbeere. Das Aroma kommt aber aus einem Holzpilz, im Joghurt ist maximal eine halbe Erdbeere. Oder der Kinderriegel von Ferrero, „für die Extra-Portion Milch“. Um zu dieser Extra Portion-Milch bzw. Kalzium zu kommen, müssten wir so viel davon essen, dass wir umgerechnet fast 50 Stück Würfelzucker und ein halbes Pfund Butter  zu uns nehmen würden.

Auch vermeintlich regionale Spezialitäten kommen oft von weit her…
Zum Beispiel Weißwurst: Kommt das Fleisch aus Ungarn und Polen, die Haut aus China und die Gewürze aus Afrika, aber wird alles in Deutschland zur Münchener Weißwurst verarbeitet, darf sie so genannt werden. Und der Kunde denkt, er kauft eine regionale Spezialität. Was zählt, ist der Verarbeitungsort. Woher die Rohstoffe kommen, wird nicht ausgewiesen. Lobbyisten der Agrar- und Lebensmittelindustrie haben kein Interesse, das zu ändern.

Wenn nicht drin ist was draufsteht und nicht draufsteht was drin ist – woran soll man sich dann orientieren?
Ich muss Sie enttäuschen: Es gibt kein Happy End für Konsumenten. Sie müssen verstehen, dass sie betrogen werden und als Einzelner nichts dagegen tun können. Nur über organisierte Verbraucherverbände, wie Foodwatch, können sie Behörden und damit die Hersteller unter Druck setzen.

Was hat Foodwatch bisher in Österreich erreicht?
Spar Österreich hatte im September 2007 Pringles Chips wegen der Acrylamid-Belastung ausgelistet, bis der Konzern zusagte, den Anteil zu reduzieren.
 

Mehr Informationen unter www.foodwatch.de

Kommentar: Grundsätzlich sollte man sich von Werbung nicht mehr beeinflussen lassen und sich aktiv informieren. Verantwortung für seine eigene Gesundheit, für seinen Körper übernehmen. Genau schauen was in den Produkten enthalten ist und wo sie herkommen. Der Trend einer bewusst gesunden Ernährung geht immer mehr nach oben.

Empfohlene Literatur zum Thema:

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