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Studie: Erhöhtes Krebsrisiko für Kinder in der Nähe von Atomkraftwerken

Musweiler/ Deutschland – Eine von der Bundestagsfraktion der Grünen bei dem Epidemiologen Professor Eberhard Greiser in Auftrag gegebene Studie belegt erneut ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen. Zeit für die Bundesregierung endlich zu reagieren. Machen Sie mit und unterzeichnen Sie eine Petition an den Deutschen Bundestag.

Die bislang umfassendste Meta-Studie, bei der Daten aus verschiedenen Quellen (Analysen von Erkrankungsrisiken um 80 Kernkraftwerke mit 172 Kraftwerksblöcken in fünf Ländern) nach dem Umfang der zugrunde liegenden Studien gewichtet ausgewertet wurden, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis:

„Die Ergebnisse zeigen ein statistisch signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko an Leukämie für alle untersuchten Altersgruppen (bis 5 Jahre, 5 bis 9 Jahre, 10 bis 14 Jahre, 15-19 Jahre, 20 bis 24 Jahre, 0 bis 14 Jahre). Die Risikoerhöhungen lagen in einem Bereich zwischen 13 % und 24 % im Vergleich zu nationalen Erkrankungsrisiken.“

Die Ergebnisse der Studie basieren für die Altersgruppen der unter 5-jährigen Säuglinge und Kleinkinder und für die unter 15-jährigen Kinder auf die Erkrankungsdaten in der Umgebung der meisten Kernkraftwerke, nämlich auf 75 bzw. 80 Kernkraftwerken, während für die übrigen Altersgruppen lediglich Daten von 22 amerikanischen Kernkraftwerken zur Verfügung standen. Insofern, so Greiser, seien die Ergebnisse für die unter 5 Jahre alten Säuglinge und Kinder und für Kinder bis zum 14. Lebensjahr bedeutsamer und im Hinblick auf ihre Verallgemeinerungsfähigkeit aussagekräftiger. Für alle untersuchten Altersklassen seien die Ergebnisse jedoch statistisch signifikant.

Nach den Ergebnissen der Studie bestehe kein Zweifel daran, dass die Erhöhung des Erkrankungsrisikos für Leukämien im Kindes- und Jugendalter in der Umgebung von Kernkraftwerken kein isoliertes Phänomen um einzelne Kernkraftwerke darstelle.

„Es ist bedauerlich“, so Greiser in seiner Diskussion, „dass lediglich für fünf Industrieländer Neuerkrankungsraten für Leukämien in der Umgebung von Kernkraftwerken publiziert worden sind bzw. entsprechende Daten für wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung stehen. Deshalb ist die Verallgemeinerungsfähigkeit im strengen Sinne auf diese fünf Länder eingeschränkt.“

Aus den Ergebnissen einer Meta-Analyse könne zweifelsohne keine Kausalbeziehung zwischen möglichen Emissionen der Kernkraftwerke und der ermittelten Risikoerhöhung abgeleitet werden.

„Es muss jedoch an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass als mögliche Ursachen für Leukämien im Kindes- und Jugendalter zwar eine Vielzahl von Risikofaktoren in der epidemiologischen Literatur diskutiert worden sind, als unstreitig etablierter Risikofaktor jedoch lediglich die Einwirkung von ionisierenden Strahlen betrachtet werden kann“, so Greiser.

Auch auf einen, von einer früheren Studie im Auftrag des Bundesstrahlungsamts hypothetisierten, „noch unentdeckten Risikofaktor“, der für das mit zunehmender Entfernung vom nächstgelegenen Kernkraftwerk abnehmende Erkrankungsrisiko verantwortlich sein könnte, geht der Wissenschaftler ein:

„Unter epidemiologischen Gesichtspunkten ist ein solcher noch unbekannter Risikofaktor als eher unwahrscheinlich zu bezeichnen, da von ihm angenommen werden müsste, dass er in der Umgebung aller deutschen Kernkraftwerke sich in gleicher Weise mit zunehmender Entfernung vom Kernkraftwerk verdünnte. Es kann deshalb keineswegs ausgeschlossen werden, dass tatsächlich Emissionen von Kernkraftwerken für die Erhöhung des Erkrankungsrisikos verantwortlich sind.“

Schon 2007 belegte eine Studie des Kinderkrebsregisters in Mainz für Kinder unter fünf Jahren ein erhöhtes Krebsrisiko für Kleinkinder in der Umgebung von Atomkraftwerken nach (… grenzwissenschaft-aktuell berichtete). Dennoch sah das Bundesumweltministerium damals keinen Anlass, die Strahlenschutzmaßnahmen in der Umgebung von Atommeilern zu erhöhen.

Ebenso wie die Grünen fordert auch die atomkritische Ärztegruppe IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) auf ihrer Internetseite (ippnw.de) einen besseren Strahlenschutz:

„Die Analyse von Prof. Greiser bestärkt einmal mehr die Forderung der IPPNW, den Strahlenschutz um Kernkraftwerke zu korrigieren. Es darf nicht sein, dass die Gesundheit der Bürger gefährdet bleibt“, erklärt Reinhold Thiel, Vorstandsmitglied der IPPNW.

Die atomkritische Ärzteorganisation fordert den Bundestag in einer Petition dazu auf, den Strahlenschutz für die Bürger zu verbessern. Mehr als 1.000 Mitzeichner unterstützen bereits die Forderung der IPPNW. (Viel aber noch zu wenig!)

Die vollständige Greiser-Stude (als PDF) finden Sie HIER

[Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com]

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