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Mobilfunk: Hirntumore – Signifikant erhöhtes Risiko

Die Weltgesundheitsorganisation sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Handynutzung und der Entstehung von Krebs.

Die internationale Presse berichtet dies auf Grundlage eines Artikels der britischen Tageszeitung Daily Telegraph (siehe untenstehende dt. Übersetzung) zu einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beaufsichtigten Langzeitstudie, welche nach langen Verzögerungen „angeblich“ noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll.

Die Studie wurde 2000 begonnen und sollte offiziell vor 3 Jahren enden. 50 Wissenschaftler untersuchten in 13 Ländern rund 14’000 Personen um herauszufinden, ob die Nutzung von Handys das Risiko für einen Tumor im Kopfbereich erhöhen. Die Koordination der Studie lag bei der Internationalen Krebsagentur (IARC) und der Weltgesundheitsorganisation WHO. Finanziert wurde sie von der International Union Against Cancer (UICC), der GSM Association – der weltweiten Industrievereinigung der Mobilfunkanbieter – sowie mit nationalen Forschungsgeldern.

Nachdem eine Veröffentlichung der Ergebnisse immer weiter hinausgeschoben wurden, haben Mitglieder der BioInitiative Working Group die führenden Epidemiologen in Australien, Kanada, Israel, Italien und Neuseeland in einem offenen Brief vom 3. Dezember 2008 um „Zusammenarbeit bei der Veröffentlichung der Studienresultate in sehr naher Zukunft“ gebeten. Die BioInitiative wollte damit erreichen, dass „Wissenschaftler und andere Experten, die nicht direkt an der Interphone-Studie beteiligt sind, die ganze Resultatesammlung ohne weitere Verzögerung erhalten.“

Die Interphone Studie hat diverse Schwachstellen im Studiendesign welche zu einer Unterschätzung des wirklichen Risikos führen. Dies wurde bereits in mehrfachen Veröffentlichungen erläutert. Studien, welche von unabhängigen Forschern erstellt wurden, fanden drastisch hohe Risikoraten – bis zu 4fach nach einer 10-jährigen Nutzungsdauer. Im Vergleich dazu steigt das Risiko für Lungenkrebs nach 10-jährigem Tabakkonsum (im üblichen Umfang) lediglich um das 1.3fache (gemäss Prof. Michael Kundi, Umwelthygiene, Univ. Wien).

Die Aussage der Mobile Operators Association im Artikel des Daily Telgraph (untenstehend), dass 30 Literaturübersichten („Reviews“) keinerlei gefährliche Effekte gefunden hätten, ist irreführend: Hier werden lediglich Reviews zitiert, welche von industrienahen Experten oder Beamten angefertigt wurden. (Man bedenke, dass die Regierung über die Anteile an Stromkonzernen und Mobilfunk-Firmen selbst der grösste Verursacher von elektromagnetischen Belastungen ist.) In den Literaturanalysen werden z. T. hunderte Studien aufgeführt, welche gesundheitsschädliche Effekte fanden, doch weil rund 30% der Studien keine Effekte fanden, folgert man, dass eine Schädigung nicht EINDEUTIG belegt werden konnte. Und solange eine Gefahr nicht eindeutig belegt wird, existiert sie für diese „Experten“ nicht. Lesen Sie hierzu auch unseren BRENNPUNKT: DNA bricht je nach Sponsor

Wie auch immer die Endergebnisse ausfallen werden, aufgrund der komplexen Statistik und dem fehlenden Einblick in die Rohdaten werden aussenstehende Wissenschaftler oder gar interessierte Bürger dem Urteil der IARC ziemlich machtlos gegenüberstehen. Man kann nur vorab bereits anmerken: Glauben Sie keinem Ergebnis, das Sie nicht selbst abgeschwächt haben.

Langzeit-Handynutzung „kann mit Krebs im Zusammenhang stehen“

Telegraph Co.uk
Von Martin Beckford und Robert Winnett vom 24. Oktober 2009
Deutsche Übersetzung: Diagnose-Funk

Langzeitnutzung von Mobiltelefonen kann mit einigen Krebsarten im Zusammenhang stehen, noch in diesem Jahr wird eine bahnbrechende internationale Studie zu diesem Schluss kommen

Eine 20 Mio. Pfund teure und sich über 10 Jahre erstreckende Studie unter der Schirmherrschaft der WHO wird demnächst den Nachweis erbringen, dass starke Handynutzer ein höheres Risiko tragen, später im Leben Hirntumore zu entwickeln, teilt The Daily Telegraph mit.

Diese Schlussfolgerung, obwohl sie nicht definitiv ist, widerspricht den Versicherungen der Regierung, dass diese Geräte unschädlich seien und wird wahrscheinlich die Minister unter Druck setzen, strengere Richtlinien zu erlassen.

In einer vorläufigen Analyse von einigen Studienergebnissen ergab sich für einige Hirntumore „ein signifikant erhöhtes Risiko“, und zwar „in Abhängigkeit einer Handynutzungsdauer von 10 Jahren oder mehr.“

Die Leiterin der Interphone-Studie teilte mit, dass der Abschlussbericht „gesundheitspolitische Vorschläge“ enthalten werde.

Das britische Gesundheitsministerium hat seit über vier Jahren seine Richtlinie nicht mehr aktualisiert. Es ist der Meinung, dass „nach dem derzeitigen Kenntnisstand Handynutzung keine gesundheitlichen Probleme verursacht“ und schlägt vor, dass nur Kinder von „unnötigen“ Handytelefonaten „abgehalten“ werden sollten und Erwachsene einfach „kürzere Anrufe“ tätigen sollten.

Im Gegensatz dazu haben verschiedene andere Länder, insbesondere Frankreich, damit begonnen, striktere Warnungen auszusprechen und amerikanische Politiker drängen auf Untersuchungen der Risiken.

Die Interphone-Studie hat untersucht, ob die Strahlungsbelastung durch Mobiltelefone mit drei Arten von Hirntumoren und einem Tumor der Speicheldrüse im Zusammenhang steht.

Ihre Leiterin, Dr. Elisabeth Cardis, hat neue Warnungen bekräftigt.

„Da definitive Resultate fehlen und eine Anzahl von Studien – bei aller Begrenztheit – auf eine mögliche Auswirkung von hochfrequenter Strahlung hinweisen, ist Vorsorge wichtig“, sagte sie.

„Ich bin daher völlig mit dem Vorschlag einverstanden, die Nutzung von Handys durch Kinder einzuschränken, obwohl ich nicht so weit gehen würde, Handys zu verbieten, denn sie können ein sehr wichtiges Hilfsmittel, nicht nur für den Notfall, sein, sondern sie spielen auch für den Kontakt zwischen Kindern und ihren Eltern eine wichtige Rolle und vermitteln Sicherheit.“

„Möglichkeiten, unsere Strahlungsbelastung zu minimieren (Gebrauch von Freisprecheinrichtungen und Einschränkung der Häufigkeit der Telefonate), sind ebenso von Interesse.“

Das Projekt führte Studien in 13 Ländern durch, wobei tumorerkrankte und gesunde Menschen befragt wurden, um herauszufinden, ob sich deren Handynutzung unterschied. In dem Zeitraum von 2000 bis 2004 wurden ungefähr 12.800 Menschen befragt.

Die bisherige Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Mobiltelefonen hat sich während der kurzen Zeit ihrer Nutzung als nicht beweiskräftig erwiesen. Eine Analyse der neuesten Ergebnisse, die The Daily Telegraph gesehen hat, zeigt jedoch, dass sechs von acht Interphone-Studien einen gewissen Risikoanstieg von Gliomen (die am häufigsten vorkommenden Hirntumoren) fanden, wobei eine Studie einen Anstieg um 39% Prozent aufwies.

Zwei von sieben Studien über das Akustikusneurinom (ein gutartiger Tumor des Hörnervs zwischen dem Ohr und dem Gehirn) berichteten über ein höheres Risiko, wenn das Handy länger als 10 Jahre benutzt wurde. Eine schwedische Studie sprach von einer Risikoerhöhung um den Faktor 3.9.
Eine Zusammenfassung führte aus, dass wegen der Schwierigkeiten mit dem Erinnerungsvermögen der Probanden ein definitiver Zusammenhang nicht bewiesen werden könne.

Eine israelische Studie fand heraus, dass bei starken Handynutzern die Wahrscheinlichkeit, an Tumoren der Ohrspeicheldrüse zu erkranken, um 50% erhöht ist.

Die Interphone-Studie wurde kritisiert, da diejenigen, die nur einmal pro Woche telefonieren, als Handynutzer eingestuft und Kinder gar nicht befragt wurden, weshalb nach Aussagen einiger Fachleute die Risiken heruntergespielt sein könnten. Einige Ergebnisse bei Kurzzeitnutzung schienen sogar einen Schutz vor Krebs zu belegen, was jedoch Fehler in der Studie vermuten lässt.

Das Abschlussdokument, das zum Teil von der Industrie gesponsert wird, wurde zurückgehalten, weil sich die Autoren nicht darüber einigen konnten, wie sie die Endergebnisse präsentieren sollen. Aber es wurde jetzt an eine wissenschaftliche Zeitschrift gesandt und wird vor Jahresende veröffentlicht.

Ein Sprecher der Health Protection Agency sagte, „es gebe gegenwärtig keinen schlüssigen Beweis“ für Gesundheitsschäden. Kinder sollten angehalten werden, ein Handy nur für dringende Anrufe zu benutzen, fügte er hinzu.

Ein Sprecher der Mobile Operators Association (Mobilfunkbetreiber) sagte, dass mehr als 30 wissenschaftliche Arbeiten keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit gefunden hätten.

Quelle und Weiterführende Links:
diagnose-funk.org

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