Alternative und kritische Informationen zum Thema Gesundheit

Muttermilch ist out – Babys brauchen Fleisch!

Oder Muttermilch ist schlecht, Fleisch ist besser? Das wollen sogenannte “Experten” mit einer Studie herausgefunden haben. Babys die gestillt werden, sollen zusätzlich mit Fleisch gefüttert werden.


Die Universität Bonn und ausgerechnet das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) verkünden einen erschöpften Eisenspeicher und eine Eisenmangel-Anämie bei Babys, sollten diese nicht bereits nach dem vierten Monat oder aller-spätestens nach sechs Monaten zusätzlich mit Fleisch gefüttert werden.

Sogar die (von mir überhaupt nicht geliebte) WHO empfiehlt, Babys ein halbes Jahr lang ausschließlich, also NUR mit Muttermilch zu stillen. Nach der Ansicht glücklicher Mütter von gesunden Kindern, kann es nicht schaden, wenn die Mütter bis zu zwei Jahren oder sogar länger stillen – vorausgesetzt natürlich es passt für Mutter und Kind und beide fühlen sich wohl dabei. Die Muttermilch ist für das Kleine die beste Nahrung die es bekommen kann. Außerdem ist eine starke Mutter-Kind-Bindung, die ja u.a. durch das Stillen gefördert wird, entscheidend für eine gesunde geistige Entwicklung des Kindes.

Bezüglich des Eisens: Allgemein haben Neugeborene einen Eisenspeicher der alleine schon locker bis zu fünf Monaten ausreicht. Zusätzlich nimmt das Baby das in der Muttermilch enthaltene Eisen besonders gut auf. Es wird bis zu 50% resorbiert. Das Eisen aus anderen Nahrungsquellen wird höchstens bis zu 5% resorbiert. So stellt ein Eisenmangel zumindest im ersten Lebensjahr des Babys überhaupt kein Problem dar! Das bestätigt z.B. Gisela Janßen, Oberärztin der Abteilung Kinderonkologie und -hämatologie an der Uni-Klinik Düsseldorf.

Mit anderen Worten: Nur Babys die zu früh abgestillt werden, weisen einen Eisenmangel auf und werden häufiger krank, als Babys die länger gestillt werden (Ausnahme: Mutter ist nicht gesund, mangelernährt oder gar magersüchtig, etc. – aber das kommt weniger vor).

Doch die Industrie und die von ihr bezahlten “Experten” wissen es eben besser… oder?

Kinderärzte und Erziehungsratgeber richten sich oft nach den veröffentlichten Ergebnissen des sehr einflussreichen FKE Dortmund. Aber das kommt noch hinzu: Für diese “Fleisch-für-Babys-Studie” ist die “Forscherin” Mathilde Kersting verantwortlich. Sie ist Mitglied der Nationalen Stillkommission. Eine Kommission die das Stillen fördern soll. Da frage ich mich doch, wie unabhängig ist denn die?

Wie können da Mütter noch richtig und unabhängig beraten werden? Das sind Personen, auf deren Rat man sich gutgläubig verlässt. Aber wenn Mutter das weiß, verlässt sie sich lieber auf sich selbst:

Der erste Punkt: Andere Experten (die nicht in diese Studie involviert waren) haben die Studie genauer unter die Lupe genommen und einige Mängel in der Durchführung und Auswertung festgestellt. So geht u.a. aus dieser Studie überhaupt nicht hervor, ob die Babys mit einer zusätzlichen Fütterung von Fleisch bessere Eisenwerte hätten. Dem ist nicht so! Außerdem lassen die gemessenen Werte in der Studie nicht darauf schließen, ob ein Baby Eisenmangel hat oder nicht.

So wird gearbeitet: Unzuverlässige Daten mit willkürlichen Aussagen. So wie sie für die Industrie eben gebraucht werden. Meinen Sie, bei vielen anderen Studien würde das korrekter ablaufen?

Der zweite Punkt: Einige Wissenschaftler, bzw. Mediziner und andere Kritiker beschweren sich darüber, dass das FKE Dortmund zu sehr von der Nahrungsmittelindustrie abhängig sei. Wir müssen uns auch nur fragen, WER diese Studie finanziert hat?

Das war nämlich die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA). Sie wissen schon, die mit dem Spruch: „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“. HIPP und Nestlé liefern die Fleisch-reichen Gläschen.

So kommen wir der Lösung schon näher:
HIPP machte mit seinen Fleisch-reichen Gläschen über Jahre hinweg einen jährlichen Umsatz von ca. 94 Millionen Euro, in Deutschland. Ab dem Jahre 2006 jedoch ging dieser Umsatz zurück, weil eine EU-Richtlinie forderte, den Fleischanteil in den Baby-Gläschen um ein paar Prozent zu verringern. Daraufhin wurde das FKE Dortmund aktiv um nachzuforschen, ob der geringere Fleischanteil in den HIPP-Gläschen nicht zu Eisenmangel bei den Babys führen könnte.

Das Ergebnis war: NEIN! Der geringere Fleischanteil führt nicht zu Eisenmangel.

Trotzdem wollte diese “Forscherin” Mathilde Kersting die Sache irgendwie so darstellen, dass Babys mehr Fleisch brauchen würden. Warum machte sie das? Darf ich die Frage stellen, wie viel Geld sie genommen hat?

Wieder ein Beispiel dafür, dass wir Studien nicht einfach so blind vertrauen können, denn wer ist heute schon noch unabhängig und unbestechlich?

Andreas Fasel hat für die “Welt” die Fehler dieser Studie aufgedeckt! (Link) Ich bedanke mich vielmals für diese Arbeit!

Weiterführende Links:
Studien des FKE Dortmund
Still-Blog – Interessante Infos für Sie und Ihr Baby

Buchempfehlung:





Wichtiger Hinweis:
Der Betreiber dieser Website ist weder Arzt noch Mediziner und bietet seine Informationen nicht als gesundheitliche Beratung an. Die Informationen stellen keine Beratung des einzelnen Benutzers und keine medizinischen Fachinformationen dar. Die dargestellten Informationen können daher den individuellen Rat oder Behandlung eines Arztes oder Heilpraktikers nicht ersetzen. Es wird dringend davon abgeraten, die angebotenen Informationen als Selbstbehandlungshinweise zu benutzen. Im Erkrankungsfall ist auf alle Fälle ein Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen.

7 Kommentare zum Artikel

>> Einen Kommentar schreiben
  1. Andreas Fasel
    Andreas Fasel 28 Juli, 2010, 10:39

    Der Artikel, der die fehlerhafte Studie des FKE aufgedeckt hat, erschien in der “Welt” vom 24.07.2010: http://www.welt.de/gesundheit/article8600541/Studie-empfiehlt-fuer-Babys-Fleisch-und-schuert-Angst.html

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Jessica Bilo
    Jessica Bilo 17 Juli, 2012, 17:09

    Hallo,

    ich habe Ihren Artikel gelesen und stimme Ihnen grundsätzlich zu. Was mich allerdings ernorm stört, ist die Tatsache, dass Sie davon ausgehen, dass alle Mütter stillen KÖNNEN und es auch tun.

    Eine Mutter, die ihr Kind nach 4 Monaten abstillt, obwohl sie eigentlich länger könnte, kann man nicht so ohne weiteres verurteilen, genauso wengig wie die Mutter, die ihr Kind gar nicht stillt. Oder wissen Sie, warum das so ist?

    Ich bin generell für das Stillen und wollte das auch so lange wie möglich tun, nur leider habe ich kaum Milch produziert. Und mit kaum meine ich im Prinzip gar keine. Der Milcheinschuss fand bei mir fast zwei Wochen nach Entbindung statt und als es endlich soweit war, wollte mein Kind nicht mehr. Also habe ich abgepumpt, um ihm die Beste Nahrung in der ersten Zeit zukommen zu lassen. Ich habe zu Spitzenzeiten ganze 100ml pro Tag (!) produziert! Das war grad mal eine Mahlzeit und das auch nur in den ersten paar Wochen.

    Muttermilch ist das Beste für das Kind, ohne Frage, aber es geht nun mal nicht immer. Deshalb ist Ihre Aussage,ich zitiere: “So stellt ein Eisenmangel zumindest im ersten Lebensjahr des Babys überhaupt kein Problem dar!”, da ja das Kind gestillt wird, falsch!

    Und will man mir einen Vorwurf daraus machen, dass ich mein Kind nicht stillen konnte? Mein Sohn leidet definitiv nicht unter Eisenmangel. Diesen Umstand verdanke ich aber nicht der Tatsache, dass ich stille!

    Diese Studie mag Blödsinn sein und viele Halbwahrheiten enthalten, aber Ihre Aussagen treffen auch nur bedingt zu.

    Ich hatte keine Wahl und musste mein Kind mit Muttermilchersatz füttern. Deshalb ist er weder verkrüppelt noch krankheitsanfälliger oder ähnliches. Natürlich hat es was mit der Ernährung zu tun, wenn ein Kind von Anfang ständig krank ist. Aber nur, um zu beweisen, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann: Mein Sohn ist jetzt 8,5 Monate, er ist 79 cm groß, wiegt 9260 g und ist kerngesund, extrem kräftig, lt. dem Arzt motorisch sehr weit entwickelt (er sitzt bereits selbstständig, krabbelt, zieht sich in den Stand etc.)und er war noch nie krank, nicht mal erkältet. Und falls man mir unterstellen will, ich würde ihn zuhause einigeln, um eine Ansteckung zu verhindern oder ich wäre überfürsorglich, auch hier muss ich widersprechen, denn wir gehen regelmäßig in die Krabbelgruppe, ich treffe mich mit Freunden, die ebenfalls kleine Kinder haben, meine Freundin hat sogar am selben Tag entbunden und der Kleine hat sehr viel Kontakt zu anderen Menschen. Und von antibakteriellen Tüchern halte ich nicht viel.

    Ich finde es gut, wenn Studien in Frage gestellt werden, aber bitte nicht so von oben herab, voller Vorurteile und Anspielungen.

    Danke.

    MfG

    Jessica Bilo

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Katharina
    Katharina 30 Juli, 2012, 21:57

    Liebe Jessica,
    leider haben sie die Autorin nicht verstanden und einige logische Fehlschlüsse daraus gezogen.
    Es geht hierum um stillende Mütter, denen immer und immer wieder vorgegaukelt wird, dass sie doch bitte ab 6 Monaten ihrem Kind Fleisch geben sollen, denn sonst würde es zu Eisenmangel kommen.
    Sie können sich vllt. vorstellen, dass nicht alle Mütter ihr Kind mit einem halben Jahr schon mit Fleisch füttern wollen/können, aus unterschiedlichsten Gründen.
    Diesen Mütter müssen sich dann immer wieder dumme Sprüche anhören, dass sie ja ihrem Kind Schaden zufügen würden etc.
    Hier geht es einzig darum, dass diese Eisenmangelargumentation schlichtweg Unsinn ist und die Studie leider nicht ernsthaft Studie genannt werden dürfte.

    NIEMAND redet von Flaschenkindern und NIEMAND hat gesagt, dass es Flaschenkindern schlechter ginge.

    Sie zitieren den Satz, dass aus A:=”Kind wird gestillt”, B:=”Kind hat keinen Eisenmangel” folgt (unter der Voraussetzung, dass Mutter und Kind gesund sind).
    Niemand behauptet, dass deswegen Flaschenkindern Eisenmnagel hätten.
    Denn aus A folgt B impliziert eben NICHT, dass aus “nicht A” (Kind wird nicht gestillt), “nicht B”(Kind hat Eisenmangel) folgt. Logik ;-)

    Anonsten gratuliere ich ihnen zu ihrem fitten und normal entwickeltem Kind :) Ist wirklich ein großer Brummer *staun*

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Pingbacks & Trackbacks
  5. Bio-Welten.de Bio Lebensmittel Biosiegel Bio Markt Bioprodukte Bioladen » Bio-Nahrung für Ihr Kind 9 Februar, 2011, 23:55

    [...] nicht nur bei den Gemüse- und Obstsorten ist auf Bio zu achten. Genau das Gleiche gilt für Fleisch, das der Babynahrung hinzugefügt werden kann. Sobald Sie die rein vegetarische Ernährung einstellen, kaufen Sie zunächst trotzdem [...]

    Auf diesen Kommentar antworten
  6. Baby Beikost: Die Wahrheit über Eisenmangel bei Stillkindern | babyernährungsblog.com 22 September, 2011, 17:25

    [...] dazu wie immer bitte nicht per eMail, sondern direkt hier drunter abgeben:Laut einer Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) an der Universität Bonn könn…n. Kinder, die von ihren Müttern voll gestillt werden, sollten daher schon ab dem 4. Lebensmonat [...]

    Auf diesen Kommentar antworten
  7. Gestillten Babys droht kein Eisenmangel! | babyernährungsblog.com 22 September, 2011, 17:30

    [...] Die neuesten Studienergebnisse des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund (FKE) könn…wundern, haben doch alle Babys während der Studie ebensolche Fleischgläschen bekommen – und dennoch angeblich bedenkliche Eisenwerte entwickelt. Stutzig wurde auch Andreas Fasel,  Redakteur bei der Welt am Sonntag, der mich am Tag nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung kontaktiert und um meine Einschätzung bat. Nach weiteren zwei Wochen Recherche und Konsultation mehrerer Experten auf dem Gebiet, kommt er zu einem sehr interessanten und aufschlußreichen Ergebnis. Doch lesen Sie selbst, hier der Artikel aus der WELT von Samstag, den 24.07.2010.  Darunter mein Kommentar. [...]

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar zum Artikel

Wir freuen uns immer über Leser, die durch nützliche und konstruktive Beiträge zum Thema eine Diskussion anstoßen oder den Artikel mit weiteren Informationen bereichern. Alle Kommentare werden in diesem Sinne moderiert.

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.
*=Pflichtfeld