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Unilever und die Pippi-Langstrumpf-Wissenschaft – Jetzt protestieren!

Mehr als 12.000 Verbraucher haben sich bereits beim Lebensmittelriesen Unilever beschwert, weil der Konzern mit Becel pro.activ eine Art Medikament in Lebensmittelform frei verkäuflich im Supermarkt anbietet.

Wer die Foodwatch-E-Mail-Aktion auf www.abgespeist.de unterzeichnet hat, erhielt von Unilever nun eine Antwort. Der Hersteller der cholesterinsenkenden Margarine stünde „im ständigen Austausch mit führenden Herz-Kreislaufspezialisten, um immer auf dem aktuellsten Forschungsstand zu sein“, heißt es seitens Unilever.

Um das zu untermauern, werden zwei Professoren in Stellung gebracht, welche die in Becel pro.activ enthaltenen Pflanzensterine lobpreisen. Es gebe „keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen, lässt man beispielsweise Prof. Hans-Ulrich Klör von der Universität Gießen in der Antwort-E-Mail sagen. Auch Prof. Eberhard Windler von der Universität Hamburg kommt zu Wort und lobt den „Wirkmechanismus“ der medikamentenähnlichen Lebensmittel in höchsten Tönen. Dabei soll offensichtlich der Eindruck entstehen, Nutzen und Unbedenklichkeit dieser Produkte stünden völlig außer Frage. Die „Diskussion mit Wissenschaftlern“ ist ja schließlich erfolgt.

Es kommt natürlich auch darauf an, mit wem Unilever da diskutiert. Denn Wissenschaftler gibt es viele, und die beiden zitierten können kaum als repräsentativ gelten. Prof. Windler hat in der Vergangenheit nachweislich Honorar von Unilever erhalten – schon allein deshalb hat das Schreiben einen faden Beigeschmack. Doch davon einmal abgesehen: Einerseits von „aktuellem Forschungsstand“ zu fabulieren, andererseits „keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen kennen zu wollen, klingt ganz nach Pippi-Langstrumpf-Wissenschaft. Getreu dem Motto: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

Von keinem Hinweis kann keine Rede sein! Denn die von den Unilever-Professoren hochgelobten Pflanzensterine, die Becel pro.activ hochkonzentriert enthält, sind unter Experten höchst umstritten. Sie stehen in Verdacht, das zu verursachen, was sie eigentlich verhindern sollen – Ablagerungen in Gefäßen und damit ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten. Immer wieder liefern Studien Hinweise auf mögliche Risiken. Das hat unter anderem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dazu bewegt, eine Stellungnahme zu solchen Lebensmitteln zu verfassen. Bereits 2008 kamen die staatlichen Wissenschaftler zu dem Schluss:

„Insgesamt unterstreichen die Studien jedoch, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit Phytosterinen [Pflanzensterine] von gesunden Menschen, die keinen erhöhten Cholesterinspiegel haben, ausdrücklich vermieden werden sollte.“

Denn bei diesen Verbrauchern gibt es nicht einmal einen potenziellen Nutzen, den man gegen das Risiko von Nebenwirkungen abwägen müsste. Nur: Mit den Wissenschaftlern des BfR hat Unilever offenbar nicht „diskutiert“. Hinzu kommt: Selbst für Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel ist der Nutzen der Produkte alles andere als eindeutig belegt. Die großen europäischen Dachgesellschaften für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen in ihren jüngst verabschiedeten Leitlinien beispielsweise zu folgendem Urteil:

„Aktuell gibt es keine Daten, die belegen, dass die Cholesterinsenkung mithilfe von Pflanzensterinen präventiv gegen koronare Herzkrankheiten wirkt. Um die Sicherheit von Lebensmitteln mit Pflanzensterinzusatz bei regelmäßiger Einnahme zu garantieren, sind außerdem Langzeitstudien nötig.“

Unilever jedoch verspricht ungerührt:

„Bestünden nur die geringsten Zweifel an der Sicherheit unserer Produkte, würden wir diese nicht anbieten.“

Offensichtlich genügt es Unilever, keine eigenen Zweifel zu haben. Das reicht jedoch nicht. Angesichts verbreiteter wissenschaftlicher Bedenken ist diese Haltung unverantwortlich. Fordern Sie Unilever deshalb jetzt auf, den freien Verkauf von Becel pro.activ im Supermarkt zu stoppen!

Falls Sie die Beschwerde-Aktion bereits unterschrieben haben: Leiten Sie diese Nachricht an Freunde und Bekannte weiter. Jede Stimme zählt!

Weiterführende Links:

Margarine: Cholesterin gesenkt – Infarkt verhindert? (PDF-Datei)

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