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Weltweit bewiesen: Bio ist besser

Neueste Studien aus der Schweiz, den USA und England belegen: In Bio-Lebensmitteln finden sich weniger Pestizide und mehr gesunde Inhaltsstoffe. Warum eine britische Studie jüngst dennoch etwas anderes verkündete. // Frauke Haß (aus der Frankfurter Rundschau)

Ist Bio wirklich gesünder? Im August schreckte viele Verbraucher eine britische Studie auf, die beinhart behauptete, biologische Lebensmittel seien nicht gesünder. Das habe die Durchsicht von 162 wissenschaftlichen Artikeln aus den vergangenen 50 Jahren ergeben, so das Londoner Institut für Hygiene und Tropenmedizin. Zwar gebe es einige wenige Differenzen beim Nährstoffgehalt, aber diese seien für die Gesundheit von geringer Bedeutung. Daher gebe es derzeit keinen Beweis dafür, warum Bio-Nahrung konventionellen Lebensmitteln vorzuziehen sei.

Allerdings hatten die Londoner Forscher, die im Auftrag der regierungsnahen Food Standards Agency (FSA) agierten, Pestizide nicht berücksichtigt. Der Verbraucher kratzt sich ratlos den Kopf und fragt sich: Was ist denn nun? „Letztlich ist das eine Frage der Interpretation“, sagt Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau im schweizerischen Frick, und ist damit vielleicht ein bisschen sehr zurückhaltend. Denn er nennt gleich darauf eine Reihe von Beispielen, die die positiven Bestandteile von biologisch erzeugten Lebensmitteln belegen.

Nicht zuletzt sei das auch das Ergebnis der im Mai veröffentlichten, EU-finanzierten Qlif-Studie (Quality Low Input Food), deren akademischer Koordinator Niggli war. „Wer sich ständig ökologisch ernährt, kann davon ausgehen, dass er über die Nahrung mindes-tens 10 bis 20 Prozent mehr sekundäre Pflanzenstoffe wie Vitamine und die gesundheitlich wertvollen Antioxidantien aufnimmt.“ Diese seien erwiesenermaßen wichtige Präventionshelfer für das Herz-Kreislauf-System und fanden sich laut Qlif in höherer Konzentration in zahlreichen Gemüsen wie Kohl, Salat, Kartoffeln und Tomaten.

Bio: Mehr ungesättigte Fettsäuren

Auch fanden sich laut Qlif, die 180 Publikationen berücksichtigte, höhere Werte der für die Gesundheit wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren in Bio-Produkten sowie gleichzeitig weniger Schwermetalle, Pilzgifte und Pestizidrückstände. Niggli kennt die Daten: „Aber ob ich über diese Art der Ernährung eine Gesundheitswirkung erziele – dieser Nachweis wurde noch nicht erbracht. Dazu wäre eine Langzeituntersuchung nötig, die über Jahre die Gesundheit von Bevölkerungsgruppen vergleicht, die sich ökologisch und konventionell ernähren. Die gibt es aber noch nicht.“

Andererseits berichtet Niggli von einer Studie aus den USA, die untersuchte, welche Stoffwechselprodukte (Metaboliten) von Pestiziden sich im Urin von Kindern finden. „Bei Kindern, die auf Bio-Nahrung umgestellt wurden, ging der Metaboliten-Spiegel im Urin massiv runter. Das heißt, die Niere musste weniger Pestizid-Abbauprodukte ausscheiden. Der Körper spülte sich sauber.“

Längst wisse man auch aus zahlreichen anderen Studien, dass konventionelle Nahrungsmittel 100 bis 1 000 Mal höhere Pestizidwerte hätten als biologische, „aber die liegen dann meist immer noch im Bereich der zugelassenen Höchstwerte: Wer über so etwas nicht groß nachdenkt, dem genügt diese Grenzwert-Entscheidung der Behörden vielleicht. Aber eine Mutter mit kleinem Kind will vermutlich einfach die Gewissheit, dass keine Pestizidrückstände in der Nahrung sind. Basta.“

Qlif berichtet von einer Pilotstudie mit Ratten, die organisch oder konventionell ernährt wurden: „Hier gab es deutliche Unterschiede in Bezug auf das hormonelle Gleichgewicht und den Immunstatus der Tiere, die signifikant mit Dünger und Pestizideinsatz korrelierten. Allerdings seien weitere Studien notwendig, um daraus Schlüsse für den Menschen ziehen zu können.

Warum sich Bio-Milch so positiv abhebt

Eine Studie der britischen Newcastle University erbrachte im vergangenen Jahr den Beweis, dass auf der Weide grasende Kühe von Bio-Farmen bessere Milch erzeugten als Kühe, die nur im Stall stehen. Die Milch enthielt signifikant höhere Werte an den gesunden mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Antioxidantien und Vitaminen. Im Sommer lagen die Werte der gesundheitlich förderlichen Fettsäure CLA9 gar um 60 Prozent höher, so das Journal of Science of Food and Agriculture.
„Unsere Studie zeigt klar, dass die Weideernährung der biologischen Farmen der wichtigste Grund für die Unterschiede zwischen Bio- und normaler Milch ist“, sagt Studienleiterin Gillian Butler. Die Ergebnisse der Kollegen aus Newcastle kann Professor Walter Vetter von der Uni Hohenheim nur bestätigen: „Auf der Suche nach einem Marker, der Bio-Milchprodukte einwandfrei von konventionell erzeugten unterscheidet, sind wir auf Alpha-Linolensäure gestoßen, eine für die Gesundheit bedeutende Omega-3-Fettsäure, deren Anteil in Bio-Produkten um den Faktor zwei höher war.“

Das habe sich auch in einer noch nicht veröffentlichten Milchstudie bestätigt, in der sein Team einen Monat lang Bio- und konventionelle Milch verglich, um Tagesschwankungen auszuschließen: Es zeigte sich, dass die doppelte Konzentration stabil blieb, so Vetter. Auch die Konzentration der aus dem Chlorophyll des Grünfutters entstehenden Phytansäure sei sehr hoch gewesen, weshalb auch diese als Marker geeignet sei. Warum sich die Bio-Bilch so positiv abhebt, kann Niggli schnell erklären: „Die industrielle Tierhaltung geht ja immer mehr dazu über, mit Kraftfutter wie Mais, Soja und Proteinen zu füttern, weil die Tiere dann mehr Milch geben und mehr Fleisch produzieren.“

Allerdings seien sie dann auch anfälliger für Stoffwechselkrankheiten. „Die Physiologie ist bei dieser nicht artgerechten Haltung nicht im Gleichgewicht, also geht die Produktion der erwünschten Inhaltsstoffe in der Milch zurück. Leider wurden diese und andere Ergebnisse der Qlif-Studie von den Briten nicht berücksichtigt.“ Forscher der Universität Kalifornien um Alyson Mitchell kamen bereits 2007 zum Ergebnis, dass die Flavonoid-Anteile in organischen Tomaten um 79 bis 97 Prozent höher sind als in konventionellen.

Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe; sie wirken gegen Bakterien sowie Viren und sind entzündungshemmend. Insgesamt sei festzuhalten, dass Bio-Nahrung zehn-, 20-, ja bis zu 60-fach höhere Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen wie Vitaminen und Antioxidantien enthalte, so Niggli. „Es lässt sich gut erklären, warum. Viele dieser Stoffe bildet die Pflanze als Immunreaktion, etwa auf Insektenfraß. Sie nutzen auch dem Immunsystem des Menschen.“ Umso rätselhafter, wie eine wissenschaftliche Studie wie die von der Food Standards Agency in Auftrag gegebene zu einem deutlich anderen Ergebnis kommen kann. Ist sie am Ende nicht seriös? „Doch, das ist sie“, stellt Niggli klar. „Das ist eine sehr umfangreiche Literaturstudie, die ihre Daten sehr transparent dokumentiert. Ich bin allerdings nicht einverstanden damit, wie rigoros sie die Anzahl der berücksichtigten Studien eingeschränkt hat“, betont Niggli.

Bio zu glorifizieren ist ja auch nicht gut

So seien nur jene Studien aufgenommen worden, die zwischen Bio und konventionellem Anbau verglichen. „Alle, die Bio-Anbau der integrierten Produktion gegenüberstellten, fielen raus. Das sind allein im Obstbau acht wichtige Studien, die alle zeigten, dass der Anteil sekundärer Pflanzenstoffe bei Bio höher ist. Dass sie ausgeschlossen wurden, halte ich nicht für zulässig.“

Dennoch will Niggli die Untersuchung nicht verdammen. Gleichwohl berichtet der Schweizer Forscher, dass die FSA „seit Jahrzehnten einen erbitterten Kampf gegen Bio“ führe. „Ich finde es trotzdem gut, dass es die Studie gibt. Denn Bio zu glorifizieren ist ja auch nicht gut: Das sind bloß Esswaren, keine Medikamente.“ Schließlich sei der Bio-Landbau vor allem entstanden, um Natur und Tier, die Umwelt zu schonen. „Toll wäre ja schon, wenn wir mit wahnsinnig viel weniger Chemie bloß gleich gute Lebensmittel produzieren würden. Aber glücklicherweise haben Bio-Lebensmittel auch noch gesundheitlich positive Eigenschaften. Und diese Daten schlägt auch die britische Studie nicht weg.“

Lexikon
Antioxidantien sind Substanzen, die Reaktionen mit Sauerstoff verhindern. Eine stark oxidierende Wirkung haben etwa „Freie Radikale“. Sie gelten als eine Ursache von Krebserkrankungen. Antioxidantien wirken als Radikalfänger.

Flavonoide sind natürliche Farbstoffe. Sie können das Krebsrisiko vermindern, den Blutdruck regulieren, den Blutcholesterinspiegel senken oder das Immunsystem stärken.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren senken das Cholesterin im Blut und gelten deshalb als sehr gesund.

Studienergebnisse auf einen Blick
Wer konsequent Bio isst, nimmt bis zu 20 % mehr Vitamine und Antioxidantien zu sich.
Bio-Früchte und -Gemüse haben höhere Werte an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
Bio zeigt geringere Werte an Schwermetallen, Pilzgiften und Pestiziden.
Bei bio-ernährten Kindern: weniger Pestizid-Abbauprodukte im Urin.
Rattenstudie: Dünger- und Pestizid-behandeltes Futter korreliert mit Hormon- und Immunsystemwerten.
Bio-Milch hat mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Antioxidantien und Vitamine.
Flavonoide in Bio-Tomaten bis 97 % höher.

EU-Öko-Flächen
Anteile an der gesamten Landwirtschaftsfläche, ausgewählte Länder, Stand 2007


[Quelle: Schrot&Korn]

3 Kommentare zum Beitrag

  1. Trinkwasser-Profi

    Ich baue auch lieber auf Bio Produkte. Zum einen denke ich die sind gesünder, zum anderen mag ich die Bio Bauern unterstützen.

  2. Bio bedeutet natürlich nicht immer Bio! In meisten Fällen handelt es sich nur um Werbung!

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