OrganicAlpha
Startseite > Ernährung > Gentechnik / GMO > Zwischen Bienen und Gentechnikanbau gibt es keine Koexistenz

Zwischen Bienen und Gentechnikanbau gibt es keine Koexistenz

Von Sigrid Totz via greenpeace.de

CDU/CSU und FDP wollen die Gentechnik in Deutschland durchsetzen – gegen den Willen der meisten Verbraucher und Landwirte. Gravierend geschädigt würden aber auch die Imker. Greenpeace sprach mit dem Diplom-Agraringenieur und Hobbyimker Klaus Petter aus Unterfranken.

Greenpeace: Herr Petter, wie lange arbeiten Sie schon als Imker im Raum Kitzingen?

Klaus Petter: Seit vier Jahren.

Greenpeace: Derzeit ist der Anbau des Gen-Maises Mon810 zu kommerziellen Zwecken verboten. Dennoch melden Landwirte auch in diesem Jahr Gen-Mais an – auch in Ihrer Region. Wie gehen Sie damit um, was bedeutet das für Sie?

Klaus Petter: Daran sieht man, dass es nachhaltige Bestrebungen gibt, die Gentechnik bei uns in Europa einzuführen. Und in Bayern einzuführen – und damit in einer Landwirtschaft, die sehr kleinteilig strukturiert ist. Damit würden wir hier natürlich gravierend beeinflusst von der Gentechnik. Dagegen müssen wir angehen.

Greenpeace: Wie würde Ihre Kundschaft reagieren, wenn in Ihrem Honig Gen-Maispollen nachgewiesen würde?

Klaus Petter: Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sagt, wir haben Verständnis dafür – aber deinen Honig kaufen wir nicht mehr. Besonders schlimm wäre das für unsere Erwerbsimker und unsere Bioimker.

Greenpeace: Ist damit die berufliche Existenz der Imker gefährdet?

Klaus Petter: Die Gentechnik ist eine nachhaltige Bedrohung für die Existenz der Bienenwirtschaft und den Erhalt der Honigbienen in unserer Kulturlandschaft. Die Masse der Bienen wird von Hobbyimkern gehalten. Wird Gen-Mais in ihrer Nähe angebaut, dann müssen die Imker mit ihren Bienenständen ausweichen in gentechnikfreie Räume. Und das ist für einen Hobbyimker nicht machbar, das kostet zu viel. Also werden die Bienenstöcke aufgegeben. Würde Gen-Mais angebaut, dann käme es in unserer Region, in Unterfranken, zu einem massiven Rückgang der Bienen. Was das dann für Folgen für die Ökosysteme hätte, für die Bestäubung und damit auch für die Landwirtschaft und unsere Nahrungsversorgung, darüber wage ich gar nicht nachzudenken. Immerhin bestäubt die Honigbiene 80 Prozent aller Blühpflanzen!

Greenpeace: Sie hätten also beträchtliche Kosten, wenn der Gen-Mais wirklich angebaut würde?

Klaus Petter: Ja klar, ich müsste mit meinen 20 Bienenständen auf jeden Fall ausweichen und dadurch entstehen Kosten. Sobald er mit Pollen von Gen-Mais verunreinigt würde, müsste ich meinen Honig einstampfen- ein erheblicher Verlust. Und auch schon die Untersuchungen, ob Gentechnik im Honig ist, sind teuer.

Greenpeace: Haben Sie Kontakt zu den Leuten, die Gen-Maisanbau angemeldet haben?

Klaus Petter: Ja, wir stehen natürlich in kontroversen Diskussionen. Wir reden miteinander, und das ist auch ok so. Es gibt eben Landwirte hier im Kreis Kitzingen, die den Gen-Maisanbau forcieren wollen.

Greenpeace: Was also tun?

Klaus Petter: Auf keinen Fall resignieren und den Kopf in den Sand stecken. Wir müssen daran arbeiten, dass ein Umdenken stattfindet zu Gunsten der Bestäuberleistung unserer Bienen, auch bei den Gerichten und der Politik. Es muss anerkannt werden, dass die Bestäuberleistung mehr wert ist als die Gen-Pflanze. Die ist ja nach wie vor umstritten, und das ist ja der Grund, warum die Bundesregierung gesagt hat, wir verbieten den Mon810. Zwischen Gentechnikanbau und Bienenstock müssen endlich Mindestabstände gelten – von 3.000 Metern und mehr! Bienen fliegen mehrere Kilometer! Und selbst wenn größere gesetzliche Anbauabstände gelten von 3.000 Metern und mehr – zwischen Gentechnikanbau und Bienen gibt es keine Koexistenz.

Greenpeace: Woher wissen Sie, wo die Gen-Maisfelder genau liegen?

Klaus Petter: Über das Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Greenpeace: Ist es für Sie wichtig, die genaue Angabe zu haben?

Klaus Petter: Ja, falls ich ausweichen muss. Um ein verkehrsfähiges Lebensmittel, Honig, zu produzieren, sind wir auf genaue Informationen zur Fläche der Gen-Maisfelder angewiesen.

Greenpeace: Wenn Sie jetzt sagen sollten, was sie sich von der Bundesregierung wünschen…

Klaus Petter: Ich würde mir wünschen, dass anerkannt wird, dass die Masse der Europäer eine gentechnikfreie Umwelt möchte. Die Einfuhr und Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen müssen nachhaltig unterbunden werden. Damit wünsche ich mir, dass diese schwarz-gelbe Wespen-Koalition ihre Einstellung zur Förderung der Agro-Gentechnik grundsätzlich überdenkt.

[Quelle: greenpeace.de]

Ein Kommentar zum Beitrag

  1. …ja was soll ich denn noch sagen, es wurde doch schon alles gesagt; es ist ernüchternd daß man sich darum Sorgen machen muß, der Bauer bzw. Imker muß sich Pläne von Feldern reinziehen die möglicherweise GV-Sorten hervorbringen sich gegen den Strom stellen um nicht selbst weggespült zu werden usw. das wirkt auf mich wie der ewige Kampf gegen Windmühlen den niemand so recht gewinnen mag…

    …mein Ursprung liegt in Tulln, das ist in Niederösterreich, ca. 45 km vom Wien entfernt, dort haben Wir eine Zuckerfabrik wo die gesamten Ernten der Umgebung zu „WIENER-ZUCKER“ verarbeitet werden, ausschließlich Rübenzucker der versch. Vertigungsarten, dann gibt es da noch in Zwentendorf ein nie in Betrieb genommenes Atomkraftwerk, eine Tierkadaververwertungsfabrik, dann gibt es noch Dürnrohr das Kohlekraftwerk und von den Wasserkraftwerken der Donau ganz zu schweigen – aber gut die haben sich eh schon eingebürgert*,…abgesehen von all diesen Dingen an die ich mich erinnert habe, denn mittlerweile „belebe“ ich Wien, ist mir wieder eingefallen daß es auch im Tullnerbecken, welches sehr sehr agrolastig ist…chch* 100%…vor sicher 10 oder 12 Jahren als ich mit dem Fahrrad noch daran vorbei fuhr — Testfelder gab für diverseste Sorten die mitunter auch GV-Sorten waren (Gemüse aller Arten soweit ich mich erinnere, denn ich war in der HBLA, da lernt und exkursiert man genug in diese Richtung),…jetzt frage ich mich…?….

    …seit wann ist unser Honig denn schon verdorben? kann man das noch gewährleisten? meine Erlebnise waren mitunter vor 10 Jahren,…stellt Euch vor?…was sich in dieser Zeit allein im Tullnerbecken, welches zwar im internationalen Vegelich klein ist dennoch einen großen Anteil an Argrar darstellt alles zum Negativen verändert haben mag?

    so,…leibe Leute, es ist ja nicht so daß ich keine Argumente habe,….paahh* da gibt es genug, ich bin ja ein „jobjumper“, „shooljumper“, „livestylejumper“,…ja wenn man so flexibel ist erlebt man viel und weiß auch viel aus eigener Erfahrung und je genauer ich über alleine die Tullner-Geschichte nachdenke, desto übler könnte mir werden,…

    so jetzt kaut da mal!

    😉 viele liebe Grüße vom Flo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.