DMSO – ein verkanntes Wundermittel?

Als ein Nebenprodukt der Zellstoffherstellung hat Dimethylsulfoxid oder kurz DMSO es weit gebracht: Was als organisches Lösungsmittel begann, ist inzwischen weitestgehend als vielseitiges Therapeutikum akzeptiert.

Doch dieser Aufstieg ging nicht unbeschwert vonstatten, und nach einer schweren Krise, die es in den 1960er Jahren durchlebte, ist die Kontroverse um das schmerz- und entzündungshemmende Mittel nie ganz abgeebbt.

Ein vielseitig einsetzbares Therapeutikum

Dimethylsulfoxid (DMSO) hat gerade erst, im Jahr 2006, seinen 140. Geburtstag gefeiert. 1866 wurde der Stoff mit der chemischen Formel (CH3)2SO erstmals von dem russischen Wissenschaftler Alexander Saytzeff synthetisiert, der seine Entdeckung 1867 in einem deutschen Chemiejournal veröffentlichte. Doch erst knapp hundert Jahre später, im Jahr 1961, wurde der therapeutische Nutzen des Mittels erkannt. Eigentlich war Dr. Stanley Jacob von der Oregon Health Sciences University auf der Suche nach einem geeigneten Konservierungsmittel für zur Transplantation vorgesehene Organe, als er eines Tages entdeckte, dass diese klare, faulig und leicht nach Knoblauch riechende Flüssigkeit sehr schnell und tief in die menschliche Haut eindringt. Jacob begann zu experimentieren – und fand bald heraus, dass er es mit einem vielseitigen Wirkstoff zu tun zu haben schien.[1]

Die therapeutische Bandbreite ist in der Tat groß. So neutralisiert der Stoff beispielsweise Hydroxylradikale, eine der am häufigsten vorkommenden Gruppe von zellschädigenden Freien Radikalen. DMSO verbindet sich mit den Hydroxylradikalen und bildet mit ihnen einen chemischen Komplex, der von den Nieren ausgeschieden werden kann. Auch andere Freie Radikale bindet der Stoff auf diese Weise.[2] Zudem erhöht DMSO die Permeabilität der Zellmembranen und erleichtert es der Zelle so, sich von Giftstoffen zu befreien.

Selbst allergische Reaktionen können mit Hilfe von DMSO gemildert werden, was wiederum das Immunsystem entlastet.

DMSO zeigt zudem Wirkung[3] bei 

  • Sklerodermie
  • Verbrennungen
  • Entzündungs- und Schmerzzuständen
  • Arthritis und rheumatoider Arthritis
  • Nasennebenhöhleninfektionen
  • interstitieller Cystitis (chronische Blasenentzündung)
  • Herpes und Gürtelrose
  • Multipler Sklerose
  • systemischem Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte, seltene Autoimmunerkrankung)
  • Sarkoidose (systemische Erkrankung des Bindegewebes mit Granulombildung)
  • Thyroiditis (eine Entzündung der Schilddrüse)
  • Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung)
  • Lepra
  • Krebs
  • und anderen Krankheitszuständen

Stopp durch amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA

Nach der anfänglichen Euphorie, ein vermeintliches Wundermittel in Händen zu halten, kam 1965 das vorläufige Aus für DMSO – die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) sprach ein Verbot aus, weil hohe Dosen Dimethylsulfoxid bei Kaninchen, Hunden und Schweinen zu Kurzsichtigkeit geführt hatten; andere Nebenwirkungen konnten nicht festgestellt werden.

Den „Run […] an den Arzneimittelvorschriften vorbei“, wie es der Journalist Peter Jennrich in einem Zeit-Artikel vom 6. September 1974 ausdrückte, stoppte das Ergebnis der Tierversuche allerdings nicht – mindestens 100.000 Amerikaner, so vermutet Jennrich, hätten zwischen 1961 und 1974 bereits eine Behandlung mit DMSO in Eigenregie durchgeführt.[4] Später stellte sich heraus, dass die Nebenwirkung Kurzsichtigkeit auf die drei betroffenen Tierarten beschränkt ist; andere Spezies, auch der Mensch, sind nicht betroffen.[5]

Zahlreiche Studien sind durchgeführt worden, doch die ultimative Anerkennung der Wirksamkeit mittels einer Doppelblindstudie, wie die amerikanische FDA sie fordert, ist so gut wie ausgeschlossen – der strenge Geruch des Mittels, der unabhängig von der verwendeten Menge auftritt, verrät seine Identität sofort.[6]

Das Grundproblem, das die FDA mit Dimethylsulfoxid zu haben scheint, ist, dass es zu schön klingt, um wahr zu sein. Dr. Jacob glaubt, dass der Ruf, ein Wundermittel zu sein, DMSO geschadet habe und die FDA sich im Hinblick auf das Mittel noch immer von diesem Ruf beeinflussen lasse. Immerhin erfolgte 1978 die Genehmigung durch die FDA, DMSO für die Therapie von interstitieller Cystitis, einer schmerzhaften Harnblasenentzündung, zu verwenden. Allein hierfür dürfen amerikanische Ärzte das Mittel verschreiben – alle anderen Anwendungen verstoßen gegen geltendes Recht. Die Kontroverse hielt und hält sich weiterhin hartnäckig und spaltet die Medizin: DMSO – sinnloses Teufelswerk oder nutzbringender Segen?

Gegen Schmerzen, Entzündungen und zur Wundheilung

Vieles deutet auf Zweiteres hin. Dr. Richard D. Brobyn vom Medical Center in Bainbridge Island, Washington, schreibt:

„[DMSO] ist eines der am meisten untersuchten und trotzdem noch wenig verstandenen pharmazeutischen Produkte unserer Zeit. Weltweit sind ca. 11.000 wissenschaftliche Artikel über medizinische Anwendungen und mehr als 40.000 Artikel über die chemischen Eigenschaften publiziert worden. In 125 Ländern wie [den] USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Japan u. a. werden durch Ärzte Indikationen für die Anwendung z. B. gegen Schmerzen, Entzündungen, Sklerodermie und Arthritiden sowie weitere Erkrankungen beschrieben.“ [7]

Unter den pharmakologischen Eigenschaften führt er u. a. auf:
Durchdringen biologischer Membranen und Transport anderer Moleküle durch diese Membranen, Entzündungshemmung, vorübergehende Blockierung schmerzleitender Nerven, Wachstumshemmung für Bakterien, entwässernde Wirkung, Verstärkung bestimmter Arzneien, Cholinesterase-Hemmung, unspezifische Förderung der Resistenz gegen Infektionen, Blutgefäßerweiterung, Muskelentspannung, Förderung der Zellfunktion, Hemmung der Verklumpung durch Blutplättchen, schützende Eigenschaften für biologische Gewebe bei Bestrahlung oder Frost sowie Gewebeschutz bei Durchblutungsstörungen.[8]

Eine besondere Wirksamkeit schreibt Brobyn dem Mittel im Hinblick auf Entzündungen zu. Hier nämlich zeigt sich die antioxidative Eigenschaft des DMSO als vorteilhaft – es wirkt sozusagen als „Radikalfänger“ im Entzündungsherd. Nach Aspirin, so schreibt Brodyn, war „DMSO das erste nichtsteroidale Antiphlogistikum, das sogar intravenös verabreicht werden konnte“. Und weiter:

„P. Gorog et al. demonstrierten bereits 1968, dass bei an induzierter chronischer Polyarthritis leidenden Ratten ein entzündungshemmender Effekt auftrat. Äußerlich auf die Gelenke aufgetragenes DMSO zeigte bei diesen Versuchen eine potente Entzündungshemmung. Diese Autoren haben später einen ähnlichen Effekt mit 70-prozentigem DMSO bei Kontaktdermatitis, allergischen Ekzemen und induzierten Kalzifikationen der Haut von Ratten beschrieben. All diese experimentellen Entzündungen konnten signifikant unterdrückt werden.“ [9]

Auch der ehemalige amerikanische Podologe Dr. Morton Walker, der heute als medizinischer Journalist und Autor tätig ist, weist in seinem Buch „DMSO – Nature’s Healer“ eine Vielzahl an positiven gesundheitlichen Eigenschaften zu. Dazu zählen unter anderem eine entzündungshemmende, gefäßerweiternde, bakteriostatische, fungistatische und virostatische Wirkung, die Beseitigung von Schmerzzuständen, die Bindung Freier Radikaler, die Anregung des Immunsystems und die Förderung der Wundheilung.[10] Ja, selbst gegen Röntgenstrahlung scheint das Mittel zu schützen.[11] Zudem legt Walker dar, wie Dimethylsulfoxid durch seine Eigenschaft, Zellmembranen zu durchdringen, die Wirkung verschiedener Medikamente verstärken kann, zum Beispiel die von Penicillin und Cortison.

Erstaunliche Erfolge bei „hoffnungslosen“ Fällen

In seinem Buch führt Walker zudem eine Reihe von Fallbeispielen an, wie das der 65-jährigen Anna Goldeman, die sich im Health Center in Auburndale, Florida, wegen der Schleimbeutelentzündung in ihrer rechten Schulter behandeln ließ. Doch nicht nur die Entzündung besserte sich dramatisch, auch der Phantomschmerz verschwand, der die Patientin nach der Amputation des linken Beins gequält hatte. Die behandelnde Ärztin und Leiterin der Klinik Dr. Lorae Avery gibt an, dass die Patientin auch zehn Jahre nach der Behandlung dank DMSO nach wie vor symptomfrei sei.[12]

Noch dramatischer ist vielleicht der Erfolg, den Lillie Forister aus Artesia, New Mexico, zu berichten hat. Im Alter von 25 Jahren erkrankte sie an Sklerodermie, und im Verlauf der Erkrankung mussten ihr mehrere Zehen amputiert werden. 19 Jahre lang litt sie trotz Medikamenten permanent unter starken Schmerzen. Im Juli 1979 suchte sie Dr. Jacob auf. Schon nach einer Woche Behandlung war der Schmerz deutlich abgeklungen, und vier Monate später spürte sie ihn kaum noch. Weitere Amputationen waren nicht mehr nötig.[13]

Auch gegen Bakterien zeigt Dimethylsulfoxid Wirkung, indem es diese direkt im Wachstum hemmt oder sensibel für andere Medikamente macht, also ihre Resistenz mindert. Brobyn bezieht sich u. a. auf eine Studie, die bereits vor der Entdeckung von DMSO durch Jacobs begann:

„H. Basch et al. beschrieben von 1953 bis 1968 einen markanten hemmenden Effekt auf eine Vielzahl von Bakterien und Pilzen in Konzentrationen von 30 bis 50 Prozent. In 80-prozentiger Konzentration werden einige Viren inaktiviert: RNA-Viren: Influenza A, Influenza A2, Newcastle disease virus, Semliki Forest virus sowie DNA-Viren.

Daneben ist aufgefallen, dass DMSO die Resistenz der Bakterien gegen Antibiotika für den Menschen positiv beeinflussen kann. Pottz et al. haben 1966 nachgewiesen, dass die Sensibilität von Tuberkel um den Faktor 200 gesteigert werden kann, indem die Keime mit 0,5 bis fünf Prozent DMSO vorbehandelt waren.“ [14]

Auch bei der Reduktion von Narbengewebe und der Behandlung rheumatischer Erkrankungen wurden gute Erfolge erzielt, so beispielsweise durch das Forschungsprojekt „Topische Anwendung von DMSO bei Narben und bei Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis der MHH Hannover/Annastift, Ambulantes Operations-Zentrum (AOZ)“ unter der medizinischen Leitung von Dr. Jörg Carls, in Zusammenarbeit mit der Akademie für Handrehabilitation Bad Pyrmont. Narbengewebe bildete sich sichtbar zurück, und Schwellungen klangen drastisch ab.[15]

Wirkt bei akuten Schmerzen „praktisch sofort“

Insbesondere die schmerzstillende Wirkung setzt laut Dr. Stanley Jacob „praktisch sofort“ ein – zumindest bei akuten Schmerzzuständen; bei chronischen kann die Behandlungsdauer seinen Aussagen zufolge bis zu sechs Wochen betragen.[16] Dabei sieht er DMSO weniger als Medikament denn als „therapeutisches Prinzip“, als ein „neues Prinzip innerhalb der Medizin“, das nach dem Antibiotikum- und dem Cortison-Prinzip eine neue Phase in der Behandlungstherapie einläute.[17]

Wie schnell DMSO tatsächlich wirkt, erlebten Stanley W. Jacob und Edward E. Rosenbaum, als sie sieben Testpatienten in Portland, Oregon, mit dem Mittel behandelten. Alle sieben Personen litten unter einer Schleimbeutelentzündung im Schultergelenk, die „ihnen eine derart heftige Pein [verursachte], dass die Kranken sich ohne fremde Hilfe nicht einmal an- oder ausziehen konnten. Frühestens nach einer oder zwei Wochen war Linderung der Schmerzen zu erwarten“,[18] wie es in einem Spiegel-Artikel vom 5. Mai 1965 heißt. Doch es gab eine Überraschung:

„Die Ärzte rieben mit der Testsubstanz die Schultern der Patienten ein – und bereits nach Minuten konnten sie eine verblüffende Wirkung beobachten. ,Nach 20 Minuten‘, so berichteten die Mediziner Edward E. Rosenbaum und Stanley W. Jacob, Professoren an der Universität von Oregon, ,waren alle sieben Patienten entweder vollständig oder fast vollständig frei von Schmerzen. Alle konnten das erkrankte Schultergelenk merklich freier bewegen als zuvor.‘“ [19]

Die entzündungshemmende Wirkung von DMSO wurde 1978 in einer Studie der Cleveland Clinic Foundation in Cleveland, Ohio, bestätigt, an der 213 Patienten mit entzündlichen urogenitalen Leiden teilnahmen. Bei einem Großteil der Patienten konnte dank DMSO eine signifikante Verbesserung des Zustands nachgewiesen werden.[20]

Insbesondere die schmerzstillende Eigenschaft ist kennzeichnend für DMSO. Laborstudien wiesen nach, dass DMSO den Schmerz durch eine „Nervenblockade schmerzleitender, peripherer C-Fasern unterdrückt“. Dadurch verschwindet der Schmerz rasch und für bis zu sechs Stunden.[21]

„Sicherer als Aspirin“

Vom 21. November 1967 bis zum 20. Februar 1968 wurde unter der Leitung von Richard Charles Lebo, MD, im State Prison Hospital in Vacaville, Kalifornien, eine Langzeitstudie durchgeführt, die Aufschluss über die allgemeine Toxizität von DMSO geben sollte. Die Versuchsteilnehmer erhielten ein 80-prozentiges DMSO-Gel, das auf die Haut aufgetragen wurde, und zwar in einer weitaus höheren Dosierung als der üblichen. Brobyn fasst das Ergebnis der Studie zusammen:

„Es wurde eine extensive toxikologische Studie mit drei- bis 30-fach höheren Dosen als für den normalen medizinischen Gebrauch durchgeführt. […] DMSO stellte sich unter den Bedingungen dieser speziellen Studie als sehr sicher dar.“ [22]

Auch Robert Herschler, Mitentdecker der pharmazeutischen Wirkung von Dimethylsulfoxid , beschreibt die Toxizität als „sehr gering“. DMSO sei „sicherer als Aspirin“, sagt er. Dass die FDA keine uneingeschränkte Erlaubnis für das Mittel erteilt, liegt seiner Ansicht nach daran, dass die Behörde mit einem Mittel wie DMSO schlicht überfordert sei. Er zitiert Francis Kelsey von der FDA mit den Worten, man habe „weder genügend Budget noch Mitarbeiter“, um einem Mittel wie DMSO begegnen zu können.

Mindestens 100.000 Patientenberichte liegen der FDA Herschler zufolge vor, die bei Auswertung belegen würden, dass eine Zulassung gar nicht verweigert werden könne.[23] J. Richard Crout von der FDA verteidigt das Vorgehen der Behörde damit, dass DMSO nicht genügend Aufmerksamkeit in der Fachwelt erregt habe, um die „disziplinierte, kontrollierte Art von Auswertung zu durchlaufen, die alle Medikamente durchlaufen müssen“.[24]

Dass die Pharmaindustrie kein großes Interesse an dem Stoff zeigt, lässt sich leicht erklären. Von Bedeutung ist einerseits sicherlich die breite Palette an Leiden, gegen die DMSO Wirkung zeigt – das Mittel stünde somit in Konkurrenz zu vielen firmeninternen Produkten.[25] Zum anderen lässt sich auf DMSO, das nicht nur im pharmakologischen, sondern auch im industriellen Bereich zur Anwendung kommt, kein Patent erlangen – auch das ist aus marktstrategischer Sicht kein attraktiver Aspekt. Viele Konzerne weisen verteidigend darauf hin, dass es hinreichend Stoffe mit derselben Wirkung wie DMSO gebe. Terry Bristol, PhD, und Vorsitzender des Institute for Science, Engineering and Public Policy in Portland, Oregon, der Stanley Jacob bei dessen Studien zur Seite stand, sieht die Vorteile dennoch beim DMSO:

DMSO ist weit weniger toxisch als andere Stoffe und hat auch weniger Nebenwirkungen.“[26]

Laut therapeutischem Index ist DMSO tatsächlich sieben Mal sicherer als Aspirin.[27] Die einzigen, bislang beobachteten Nebenwirkungen sind ein knoblauchartiger Geruch und Hautreizungen, die individuell ausfallen, laut Walker auf die Austrocknung der Haut zurückzuführen sind und meist nach mehrmaliger Anwendung von DMSO abklingen. Allerdings sollten DMSO-Dämpfe nicht eingeatmet werden.[28] Die intravenöse Gabe kann vorübergehend zu Kopfschmerzen führen.[29] Toxizität oder eine karzinogene Wirkung konnten nicht nachgewiesen werden.

Behandlung unkompliziert und vielseitig

DMSO kann laut Dr. Morton Walker äußerlich aufgetragen, innerlich durch Spritzen oder Tropfer verabreicht oder aber oral eingenommen werden.[30] Wichtig ist Walker zufolge dabei, dass das verwendete DMSO Pharma- bzw. Lebensmittelqualität besitzt, um eine sichere Anwendung zu gewährleisten. Durch die hohe Durchdringungskraft des Mittels geraten ansonsten auch Verunreinigungen ungehindert in den menschlichen Körper und können die Leber und andere Organe schädigen.[31] Über die Haut verabreicht ist die höchste Konzentration im Blutserum nach vier bis acht Stunden erreicht, oral für gewöhnlich nach vier Stunden. Nach 120 Stunden ist zumeist kein DMSO mehr nachweisbar.[32]

DMSO in Deutschland

Als „demontiertes Wunder“ wird DMSO in einem Spiegel-Artikel vom 24. November 1965 bezeichnet, kurz nachdem die amerikanische FDA das Mittel in den USA ausgebremst hatte.[33] Man verglich es gar mit dem Contergan-Skandal vier Jahre zuvor, der immer noch seine Schatten warf. Grund war die bereits erwähnte Schädigung der Augenlinse in Tierversuchen mit DMSO. Vorangegangen war der „Demontierung eines Wunders“ die Jagd deutscher Pharmakonzerne nach einer aussichtsreichen Beute. In dem Spiegel-Artikel heißt es:

„Fünf Firmen beteiligten sich an dem Run auf das Wunder: Schering AG (Berlin), Squibb / von Heyden AG (München), Mack (Illertissen), Sharp & Dohme GmbH (München) und – allen misslichen Erfahrungen zum Trotz – auch die Contergan-Herstellerfirma Grünenthal.

Die deutschen Pharma-Fabrikanten hatten nur wenig Forschungsergebnisse vorzuweisen, als sie beim Bundesgesundheitsamt die Registrierung ihrer Präparate beantragten; sie verwiesen auf die amerikanischen Testreihen. Ende August [1965] wurden die Medikamente amtlich zugelassen.“ [34]

Im November 1965, nach dem Aufschrei der FDA in den USA, war der kurze Ruhm von DMSO auf dem deutschen Markt erst einmal Geschichte:

„Die Medikamenten-Großhändler stoppten auf Anweisung der Hersteller die Auslieferung der DMSO-Präparate.“ [35]

Als vorschnell wurde die schnelle Markteinführung beunkt; plötzlich sprach niemand mehr über den pharmazeutischen Nutzen.

Als sich herausstellte, dass die Schädigung der Augenlinse, die als Nebenwirkung von DMSO bei Tierversuchen beobachtet worden war, nicht auf den Menschen zutraf, entspannte sich die Situation für DMSO auch im deutschsprachigen Raum wieder. Schon 1966 wurde dem Mittel auf einem DMSO-Symposium in Wien bescheinigt, dass es sich „zumindest zur Behandlung traumatologischer Erkrankungen in der Unfall- und Sportmedizin, zur Behandlung oberflächlich gelegener Entzündungen und bei Entzündungen oberflächlich gelegener Hautvenen [eigne]. Auch in der Therapie chronischer Erkrankungen wie Bandscheibenveränderungen und degenerativen Gelenkerkrankungen billigten die Wissenschaftler dem Oxid eine unterstützende Funktion zu.“ [36]

Die Wiedereinführung von DMSO als Wirkstoff auf dem deutschen Markt erfolgte im Jahr 1982 mit Dolobene Gel, einer Sportsalbe des Pharmaunternehmens Merckle. Das Gel enthält einen DMSO-Anteil von 15 Prozent und ist damit vergleichsweise niedrig dosiert. „Wir sind derzeit unseres Wissens nach die Einzigen“, sagt Dr. Christine Steinhauser, Medical Information Manager Orthopedics beim Pharma-Unternehmen Merckle Recordati GmbH, „die DMSO in Deutschland als Wirkstoff in einem Arzneimittel gegen Muskel- und Gelenkerkrankungen verwenden. Virunguent Salbe [von Hermal; Anm. d. Aut.] gegen Herpes labialis enthält ebenfalls DMSO 0,18 g auf 10 g Salbe. Verrumal Lösung [ebenfalls von Hermal], ein Warzenmittel, enthält als Hilfsstoff DMSO 8 g auf 100 g Lösung.“ [37]

Das im Gegensatz zu Dolobene Gel höher konzentrierte Medikament Paravac, eine DMSO-Emulsion, ist derzeit in der Testphase und noch nicht zugelassen, kann aber als Rezeptarznei bereits jetzt vom Arzt verschrieben werden. Es kommt u. a. in der Karzinomtherapie zum Einsatz. [38]

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Quelle: nexus-magazin.de

1. Muir, Maya: „DMSO: Many Uses, Much Controversy“ in Alternative and Complementary Therapies, Jul/Aug 1996, S. 230-5
2. Walker, Dr. Morton: „DMSO – Nature’s Healer“ (New York: Avery, 1993), S. 38
3. Ebd., S. 35ff.
4. Jennrich, Peter: „DMSO zu Unrecht verdächtigt?“ in Die Zeit, 06.09.1974; DMSO-zu-Unrecht-verdaechtigt
5. Ebd.
6. Muir: „DMSO: Many Uses“
7. www.akademie-fuer-handrehabilitation.de/downloads/dmso.pdf
8. Ebd.
9. Ebd.
10. Walker: „DMSO – Nature’s Healer“, S. 50
11. Ebd., S. 53
12. Ebd., S. 2f.
13. Ebd., S. 225
14. http://www.akademie-fuer-handrehabilitation.de/downloads/dmso.pdf
15. www.akademie-fuer-handrehabilitation.de/downloads/zwischenergebnissedesforschungsprojektesdmso.pdf, Stand Mai 2005
16. Muir: „DMSO: Many Uses“
17. Walker: „DMSO – Nature’s Healer“, S. 31
18. http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=46272532&top=SPIEGEL
19. Ebd.
20. Shirley, S. W.; Stewart, B. H. und Mirelman, S.: „Dimethyl sulfoxide in treatment of inflammatory genitourinary disorders“ in Urology, 1978, 11:215-220
21. www.akademie-fuer-handrehabilitation.de/downloads/dmso.pdf
22. Ebd.
23. Walker: „DMSO – Nature’s Healer“, S. 73
24. Ebd., S. 74
25. Muir: „DMSO: Many Uses“
26. Ebd.
27. Walker: „DMSO – Nature’s Healer“, S. 75
28. Ebd.
29. Muir: „DMSO: Many Uses“
30. Walker: „DMSO – Nature’s Healer“, S. 45f.
31. Ebd.
32. Ebd., S. 41
33. http://tinyurl.com/mspl36
34. Ebd.
35. Ebd.
36. DMSO-zu-Unrecht-verdaechtigt
37. Email an die Autorin vom 2. Juli 2009
38. www.dr-peterklose.de/downloads/kongress_komplementaermed.pdf

 

Nina Hawranke
Nina Hawranke
Nina Hawranke ist Jahrgang 1976 und studierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Literaturübersetzen.
Im Jahr 2004 erhielt sie für den besten Abschluss in ihrem Studiengang den Preis des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer.
Seit 2003 ist sie als freie Übersetzerin für verschiedene Verlage tätig.
Von Juni 2006 bis Oktober 2007 arbeitete sie in der Redaktion einer Lokalzeitung, und seit 2007 ist sie neben ihrer Hauptbeschäftigung, dem Übersetzen, auch als freie Journalistin und Kolumnistin tätig.

50 KOMMENTARE

  1. Ich lasse mir in einer Apotheke das DMSO 50%ig mit einem Dicloanteil von 6% mischen.
    Durch das DMSO wird auch der Dicloanteil punktuell an den Schmerzbereich transportiert, und schon bald kann auch darauf ganz verzichtet werden.
    Ich konnte nur noch unter hohen Dosen Schmerzmitteln laufen…. durch diese Mischung kam ich innerhalb von 3 Tagen von den Schmerzmitteln runter und werde nun bald umsteigen auf das reine DMSO.
    Niemals die Verantwortung für die eigene Gesundheit aus der Hand geben…. für die Ärzte gab es nur noch die OP.
    Liebe Grüsse Gabi

  2. ….ich verwende schon seit jahren MMS und bin überzeugt davon!!!! Erst jetzt bin ich auf DMSO gestoßen und habe noch keine Erfahrung damit! Ich habe starke Schmerzen in den Fingergelenken und meine Finger sind leicht angeschwollen. Soll ich DMSO oral oder einreiben.Auf der Flasche steht 99,9% DMSO.

  3. Nehme seit ein paar Tagen DMSO und seit noch weniger Tagen MMS.
    Habe Schwierigkeiten: wann nehme ich was?
    KAnn ich beides nacheinander, gleichzeitig mischen?
    HAbe viele Schmerzen (Fibromyalgie), vor allem Rücken, bespraye den Rücken, warte etliche Minuten (nackt!), bis es getrocknet ist. Irgendwo habe ich gelesen, dass ich die Stelle wieder waschen muss, bevor ich sie neu einsprayen kann: Wie mach ich das tagsüber: in die DUsche? Das Spray hilft (vielleicht) einige Stdn, dann nicht mehr.
    Und:MMS trage ich an einer Stelle hinten am Körper auf, wo sich der FLeck auflösen soll….Darf sich beides mischen?

    Und: kann ich den Rücken auch einölen?

    Und: MEin Gesicht wird immer trockener und rot-gefleckter nach MMS, das ich alle 1-2 Stdn die letzen 2 Tage auftrug. Kann ich da zwischendurch ne Salbe nehmen??

    Wenn`S brennt: Flüssigkeit verdünnen? ODer hilft es vielleicht schneller? ALlerdings sehe ich im GEsicht noch keine VErbesserung.

    Würde mich freuen, ich kriegte Ratschläge, Erfahrungswerte,….

  4. Sehr interessant, werde ich ab heute probieren, kann seit einer FSME-Impfung vor 6 Jahren fast nicht mehr gehen und die rechte Hand nutzen,hat Schub ausgelöst, soll ich DMSO schluckweise trinken, bzw. MMS dazu ??

  5. Frage an Praxeda Nr. 22. Was machst Du gegen den Körper-/Mundgeruch??? Wurde von meinem Kollegenteam angesprochen was ich denn einnehmen würde, ich würde solch einen eigenartigen süßlich-muffigen Geruch ausströmen, der im ganzen Büro zu riechen wäre. Schlimm nur, ich rieche das nicht. Ich möchte aber nicht aufhören DMSO einzunehmen, weil es mir damit prächtig geht – seitdem fast ohne Knöchelschmerzen (Sportverletzung) und sehen tue ich auch besser.

  6. Danke für die Informationen. Hab nach einer Hüftoperation Probleme mit den Weichteilen an derHüfte(Sehenen,gluteus meidum) Die mir eingestzte Gelnkspfann ist ein wenig zu groß, sodass sich diese Weichteile daran reiben. DMSO ist das hier einsetzbar? Welche Dosierung ist notwendig?
    Es handelt sich hier um keiunen Dauerschmerz sonder Schmerzen, wenn die Belastung zu gro0 zu lang ist. Kann man moi DMSO auch Knochenmarksödeme behandeln?

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich glaube sehr an DMSO und MMS daher tu ich auch immer viel recherchieren. Ich mchte mir es schon die Ganze zeit kaufen aber weis nie wie und und welches. Habe Haut Probleme, übersauerung und würde gerne mit dem Rauchen aufhoeren 🙂 Hauptprobleme sin Bindegewebe cellulitis und auch Narben, Falten und unreine Haut sowie Dehnungsstreifen. Was koennen Sie mir da empfehlen?

    Meine zweite Frage ist.. Meine Mutter hat Chronische Entzuendung am Bauchbereich staendig entstehen aszites was knnen Sie mir dazu empfehlen?
    Leider haben wir vor ein paar Tagen erfahren, dass meine Freundin Lungenkrebs hat knnen sie da auch weiterhelfen?

    Vielen Dank
    LG Sitem Adan

    • Hallo Sit!

      Würde anstatt DMSO den Wirkstoff MSM in Kapselform einnehmen.
      Kapsel gibt es mit 500mg. Dosierung 1-3 mal täglich 1 Kapsel je nach Beschwerdebild.
      Riecht nicht so intensiv wie DMSO hat aber die gleiche Wirkung. Hilft auch untersützend bei anderen
      Erkrankungen. Siehe auch den Artikel von Dr.Douwes über MSM.

      Schöne Grüße

      H.B

      • MSM ist ein Supermittel und für viele Beschwerden und zur Entgiftung einsetzbar.
        ABER es ist nicht gleichzusetzen mit DMSO. Man muss testen, was bei einem persönlich besser hilft!

  8. Ich lese die Kommentare und bin neugierig geworden, denn ich bin seit kurzem auch bei DMSO gelandet. Die Einnahme von OPC und MSM habe ich auch begonnen einzunehmen. Die Diagnose bei mir , vom Neurologe , Orthopäde und weiteren Ärzten lautet: Poli-Neuropathie. Dafür gibt es angeblich nur eine beschränkte Möglichkeit meine Schmerzen , die in beiden Vorfüßen wüten zu lindern.Jetzt wende ich mich diesen oben erwähnten Mitteln zu und erhoffe zumindest eine Linderung der Schmerzen, so daß ich wieder laufen kann. Unklar ist mir die Dosierung von DMSO zur äußerlichen Anwendung an meinen beiden Vorfüßen und kann man das Mittel evtl. auch mit Pocain mischen? Hat jemand damit Erfahrung?

    • Hallo Magda,
      bei Pronatu kann man Salbe mit DMSO und Procain kaufen.
      Kannst Du ja mal ausprobieren.
      Bei meiner Mutter hatten sie auch Polyneuropathie diagnostiziert, was aber eine Fehldiagnose war, wie sich hinterher herausgestellt hat. Sie hatte lediglich Vitamin B12 Mangel. Seitdem Sie Vitamin B12-Spritzen bekommt, sind die Beschwerden weg. Lies Dir hier mal die Infos durch: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/polyneuropathie.html
      Gruß Katharina

    • Hallo Magda, ich habe das selbe Problem wie Du. Auch meine Vorfüße schmerzen. Ich nehme Gabapentin- Tabletten gegen Nervenschmerzen ein. Wie ist es bei Dir hilft Wärme oder Kälte? Werden Deine Füße beim herunter hängen lassen auch bläulich? Ich kenne DMSO und reibe die Tinktur mit einem Wattepad (weiß) auf die schmerzenden Stellen ein, danach unbedingt 15 Minuten an der Luft trocknen lassen. Bitte melde Dich doch bei mir.

  9. Ich habe eine Knieprothese einsetzt bekommen. Schadet, durch seine Tiefenwirkung DMSO zur Anwendung der Abnahme der Schwellung?
    Kann die neue Prothese Schaden nehmen.

    • Hallo Wilhelm,

      mit DMSO habe ich noch keine Erfahrungen, empfehle aber alternative natürliche Blutverdünner wie L-Arginin sowie Nattokinase. Siehe dazu unbedingt youtube Videos von Robert Franz!

  10. Thomas S.
    Hallo zusammen in die Runde .
    Ich musste nach der 11 Operation innerhalb 30 Tagen sehr starke Schmerzmittel nehmen .das war 2014 .
    Ich habe bis vor einigen Wochen tramadol in höchstdosis genommen bis zu 4 x 300 mg also 8 Retat Tabletten und zusätzlich in Tropfen Form .
    Nicht nur das es mich total abhängig gemacht hat ,hat es auch langsam die Wirkung verloren .
    Ich könnte kaum 100m laufen die ersten 3 Jahre schlapp kaputt und hab unter fast totaler Schlaflosigkeit gelitten .
    Da mir wirklich in den letzten 4 Jahren kein Arzt helfen konnte ,habe ich mich aufgerafft und die Sache jetzt selbst in die Hand genommen . Ich hab ein kalten Entzug gemacht ..was nicht einfach war, hab unter Schmerzen gelitten und alles was dazu gehört . Folge war ich könnte wieder kaum laufen .
    Ich verwende jetzt seit einiger Zeit OPC,MSM, D3,K2,DMSO,L-ARGININ,L-CITRULLIN ,MMS BZW CDL.
    Ich habe für mich durch viel lesen in die Materie eingearbeitet und kann nur sagen ,dass es mir seit Tagen besser geht .
    DMSO hat mir dabei geholfen vom tramadol loszukommen !
    Ich kann einige km wieder laufen ,schlafen klappt immer besser ,und mein Wohlgefühl im allgemeinen um 80% besser .
    Ich selbst hab es geschafft mir zu helfen ,dass es mir besser geht !
    Also einfach mal Mut beweisen und seine Sache selbst in die Hand nehmen . Aber bitte sich vorher belesen und das nicht nur in 5min .
    Es hat einige Zeit gedauert bis ich verstanden habe eine Krankheit zu heilen zu versuchen und nicht die Syndrome zu behandeln !
    Ich bin selbstständiger Handwerker und bin seit Jahren nicht mehr arbeitsfähig, ich habe jetzt seit ein 2-3 Wochen das Gefühl das ich wieder arbeiten kann ! Also ich möchte die Kirche im Dorf lassen, habe aber seit Jahren wieder Mut und Kraft dies als Ziel zu verfolgen .
    Ich schaffe das ! 😊
    Wünsche allen geplagten Menschen gute Besserung .

    Grüße Thomas

  11. Hallo und guten Tag.
    Ich habe eine Frage zwecks DMSO.
    Ich habe starke Rückenschmerzen und möchte DMSO gerne oral einnehmen. Ich bin leider HB positiv und meine irgendwo gelesen zu haben, das man DMSO bei einer Lebererkrankung nicht nehmen darf.
    Stimmt das?
    LG,
    Charlotte

    • Liebe Mina,
      MSM und OPC können definitiv die Heilung unterstützen! Ich würde außerdem die Einnahme von CBD(Cannabidiol)-Öl empfehlen. Habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
      Liebe Grüße und alles Gute für Dich!

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