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Leukämierisiko AKW – das ungelöste Rätsel

von Sigrid Totz, greenpeace.de

Kinder, die im Umkreis eines Atomkraftwerks aufwachsen, sind stärker krebsgefährdet. Besonders Leukämie tritt deutlich häufiger auf als im Bundesdurchschnitt. Studien haben dies belegt, zuletzt im September 2009. Die genaue Ursache für die Erkrankungen liegt im Dunkeln. Die Expertenmeinungen gehen auseinander. Die einen schließen Strahlung als Ursache vehement aus, andere halten diesen Ausschluss für falsch.

Die erlaubten und routinemäßig gemessenen Emissionen der deutschen AKW liegen nach Ansicht beispielsweise der Strahlenschutzkommission weit unter dem Wert, der nach heutigem Wissensstand Leukämie auslösen kann. Dennoch ist die erhöhte Krebs- und Leukämierate – insbesondere bei Kleinkindern – ein unübersehbarer Fakt.

Frühe Warnzeichen

Anzeichen für ein erhöhtes Krebsrisiko in der Umgebung von Atomkraftwerken gibt es bereits seit den frühen 1970er Jahren. 1978 berichtete das Niedersächsische Ärzteblatt über erhöhte Krebs- und Leukämiegefahr um das AKW Lingen. Untersuchungen in England in den 80er Jahren zeigten erhöhte Leukämieraten bei Kindern im Nahbereich der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. Auffälligkeiten gab es auch im Umkreis des AKW Gundremmingen. Und Anfang der 90er Jahre verstörten außergewöhnlich viele Leukämiefälle um das AKW Krümmel herum die Menschen in der Region.

1992 kam eine Studie des Mainzer Instituts für Medizinische Statistik und Dokumentation heraus. Sie wies nach, dass es im Fünf-Kilometer-Radius um deutsche Atomanlagen eine deutlich erhöhte Leukämierate bei Kleinkindern unter fünf Jahren gab. Grundlage waren Daten aus den Jahren 1980 bis 1990. Eine Folgestudie desselben Instituts, veröffentlicht 1997 mit Daten von 1980 bis 1995, stellte dagegen keine Erhöhung mehr fest.

Der Münchner Physiker Dr. Alfred Körblein überprüfte die Studie 1998 und kam zu einem anderen Ergebnis: Er fand eine um 54 Prozent erhöhte Krebsrate bei Kleinkindern im AKW-Nahbereich. Die Leukämierate war sogar um 76 Prozent erhöht.

Die zwei großen Studien

Im Dezember 2007 veröffentlichte das Bundesamt für Strahlenschutz die weltweit aufwendigste Studie zum Thema – die KiKK-Studie (Kinderkrebs in der Nähe von Kernkraftwerken). Sie sorgte für Wirbel. Das Mainzer Kinderkrebsregister hatte Daten von 1980 bis 2003 ausgewertet. Knapp 1.600 Kinder unter fünf Jahren waren in diesem Zeitraum rund um die deutschen Atomkraftwerke an Krebs erkrankt, davon 593 an Leukämie. Die Erkrankungsrate nahm zu, je näher der Wohnort am AKW lag. Doch sogar im Umkreis von bis zu 50 Kilometern wurden noch erhöhte Krankheitsraten festgestellt.

Seit September 2009 liegt eine weitere Studie vor. Durchgeführt wurde sie von Prof. Dr. med. Eberhard Greiser im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis ’90/ Die Grünen. Greiser ist emeritierter Professor für Epidemiologie und medizinische Statistik des Fachbereichs Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen.

Für seine Untersuchung erweiterte er die Datenbasis. Er zog Krebsregister aus Frankreich, Großbritannien, Kanada und USA hinzu und wertete die Zahlen aus. Damit liegen nun Angaben aus fünf Ländern und aus der Umgebung von 80 Kernkraftwerken vor. Auch diese Studie erhärtet den Zusammenhang zwischen deutlich erhöhter Krebsgefahr und AKW-Nähe.

Was bleibt?

Welcher Strahlendosis die erkrankten Kinder ausgesetzt waren, ist im Nachhinein nicht ermittelbar. Deshalb haben die Verfasser der verschiedenen Studien auf die Entfernung des Wohnorts vom AKW zurückgegriffen. Doch auch wenn diese Studien nicht belegen können, dass Strahlung unmittelbar für die Erkrankungen verantwortlich ist – eines erlauben sie nicht: abzuwiegeln.

Das Schicksal der Kinder und ihrer Familien kann uns nicht egal sein. Schon das Vorsorgeprinzip gebietet, aus einer Energieform auszusteigen, die solche Risiken beinhaltet. Das heißt: abschalten. Die sieben ältesten AKW und den schlimmsten Pannenmeiler (Krümmel) sofort, die anderen bis spätestens 2015.


[Quelle: greenpeace.de]

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Der Betreiber dieser Website ist weder Arzt noch Mediziner und bietet seine Informationen nicht als gesundheitliche Beratung an. Die Informationen stellen keine Beratung des einzelnen Benutzers und keine medizinischen Fachinformationen dar. Die dargestellten Informationen können daher den individuellen Rat oder Behandlung eines Arztes oder Heilpraktikers nicht ersetzen. Es wird dringend davon abgeraten, die angebotenen Informationen als Selbstbehandlungshinweise zu benutzen. Im Erkrankungsfall ist auf alle Fälle ein Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen.

8 Kommentare und 4 Trackbacks/Pingbacks

  1. 1. Antje Schröder

    Kommentar vom 3. November 2009 um 16:59

    Ich bin kein Verfechter der AKWs, aber Leukämie hat nichts mit Strahlungzu tun. Verfolgt doch mal die Todeszahlen. Wieviele Menschen sterben an Medikamentenmißbrauch, wieviele an Verkehrsunfälle, wieviele an Flugzeugabstürze, wieviele an Herz-Kreislauferkrankungen und wieviele an Strahlenschäden? Mein Vater hat das AKW in Lubmin mitgebaut. Er ist 77 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Die AKWs werden abgelehnt, weil man sie in Verbindung mit atomaren Waffen verbindet. Im Jugoslawienkrieg und auch jetzt in Afghanistan wird mit radioaktiver Munition geschossen und die Regierung schaut zu. Leukämie ist nachzulesen bei Dr. Hamer, oder bei http://www.pilhar.com.

  2. 2. O. Karsten

    Kommentar vom 4. November 2009 um 00:54

    Grundsätzlich kann man sowohl am Menschen, als auch in vitro mit radioaktiver Strahlung Zellschäden hervorrufen, die u.a. zu entartetem Zellwachstum und Krebs führen können (exemplarisch seien Schilddrüsenkrebs und Leukämie um Tschernobyl genannt, siehe http://www.umweltinstitut.org).

    Die klassische Wissenschaft kann scheinbar heute noch keinen Zusammenhang zwischen “erhöhtem Leukämierisiko bei Kindern” und “Nähe zu AKW” erklären, aber daraus zu folgern, dieser Zusammenhang sei nicht existent, wäre unwissenschaftlich :-).
    Für die Gesundheit unserer / aller Kinder wären (neben der sofortigen Stilllegung aller AKW’s) weitere Untersuchungen dringend notwendig. Z.B.: Treten auch in anderen “nicht-AKW”-Gebieten erhöhte Leukämieraten auf? Haben die betroffenen Kinder eine Disposition? etc.
    Die Quantenphysik könnte hier schon jetzt einige Erklärungsmodelle liefern (z.B.über Quantenverschränkung) und man muss sich nicht mit dem “Resonanzprinzip” auseinandersetzen, um denken zu können, dass es bei einer biologischen Reaktion des Organismus nicht (nur) um die Stärke des Impulses / Signals, sondern auch um die Qualität / den Inhalt geht.
    Und das ist wissenschaftlich lange erwiesen.

    Oben genanntes widerspricht m.E. nicht der Hamer’schen Lehre.
    Aber wir Leben nicht in einer Welt der Monokausalität, sondern sind (Gott-sei-Dank) multifaktoriell – auch wenn’s die Forschung schwierig macht.

    Zuletzt: Wie gering ist wohl die statistische Wahrscheinlichkeit, das das Zusammenfallen der Ereignisse (“AKW in der Nähe” und “Leukämierate”) rein zufällig ist…?
    Ich denke, verschwindend ;-)

    Liebe Grüße
    und Danke für dieses Portal.

  3. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Ralf Hellbart und Igelballprinzessin, CONTRACOMA erwähnt. CONTRACOMA sagte: Leukämierisiko AKW – das ungelöste Rätsel: von Sigrid Totz, greenpeace.de Kinder, die im Umkreis eines Atomkr.. http://bit.ly/X03Kj [...]

  4. 4. dirk

    Kommentar vom 5. November 2009 um 00:36

    Hallo,
    ich beginne mit der Einleitung einer Studie des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg e.v (IFEU-Bericht Nr.18 – April 1982) über “Die Gefährdung der Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerkes Neckarwestheim”
    …”Die von der Strahlenschutzverordnung als hinreichend sicher für die Gesundheit der Menschen festgelegten Grenzwerte können beim Betrieb des Kerkraftwerkes Neckarwestheim nicht eingehalten werden. Das Gutachten zeigt auf, dass von erheblichen Überschreitungen der gesetzlich zugelassenen Strahlenbelastung ausgegangen werden muss.”…
    Dem Bericht nach, werden von einem Kraftwerk sehr wohl Radionuklide freigesetzt (die auch Leukämie auslösen), deren Menge nach Strahlenschutzverordnung auch zulässig ist jedoch unter aller bester Betriebsfähigkeit des Kraftwerks. Wenn sich diese perfekten Betriebswerte aber irgendwo um wenigste Prozentwerte verschlechtern sieht das schon wieder ganz anders aus, dies wird hier in 6 Fällen berechnet und bestätigt.
    Alles in allem hat Antjes Vater die Dinger aufgebaut und nicht meiner. Meiner hat sie zum Glück auch nicht abgebaut.

  5. 5. Leukämietod in der Elbmarsch

    Kommentar vom 5. November 2009 um 02:22

    Hier fand ich vor ein paar Tagen ein Video:
    Und keiner weiß warum | Leukämietod in der Elbmarsch
    http://www.videogold.de/und-keiner-weiss-warum-leukaemietod-in-der-elbmarsch/

  6. 6. Und keiner weiß warum | Leukämietod in der Elbmarsch

    Pingback vom 5. November 2009 um 02:27

    [...] keiner weiß warum, Leukämietod in der Elbmarsch”. Update: Guter Artikel zum Thema: Leukämierisiko AKW | Das ungelöste Rätsel Von Redaktion • 28. Oktober 2009 Ähnliche FilmeBundestagswahl 2009KSK – Kommando [...]

  7. 7. Kristof

    Kommentar vom 5. November 2009 um 18:51

  8. 8. dirk

    Kommentar vom 6. November 2009 um 08:21

    Kristof, tut mir leid, aber du bist ein Schwätzer

  9. 9. Anonymous

    Pingback vom 19. January 2010 um 14:16

    [...] Jetzt kann man aber wieder Hoffung schöpfen, und das nicht nur für die Behandlung von Leukämie. Neben der altbewährten Knochenmarktransplation, die auch keine 100%ige Heilung versprechen [...]

  10. 10. Wolfgang40627

    Kommentar vom 13. August 2010 um 10:55

    Gibt es eigentlich auch Untersuchungen, ob die Leukämierate rund um andere große Kraftwerke auch erhöht ist?
    Ich könnte mir vorstellen, dass die Leukämie gar nichts mit der Atomkraft zu tun hat. Vielmehr könnte sie auch durch die starken elektromagnetischen Felder rund um (Atom)kraftwerke oder besser die Überlandleitungen hervorgerufen werden.

  11. [...] Leukämierisiko AKW | Das ungelöste Rätsel [...]

  12. 12. Günter

    Kommentar vom 2. April 2011 um 06:19

    AKWs sind unbeherrschbare Technologien.
    Brauchen wir noch mehr Beweise wie vielleicht ein Supergau in Deutschland ?? Sind Tschernobyl und Fukushima noch nicht genug ??
    Sonne,Wind und Wasser geben ausreichend Energie für alle Menschen ab,wenn mann endlich vernüftige Technologien anwendet und auch einsetzt.Technisch ist das möglich.

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