Leben und Sterben aus buddhistischer Sicht

Mit dem Alter belasten uns immer mehr Erkrankungen, die irgendwann chronisch sind, bis uns schließlich nur Tod davon erlösen kann. Mindestens seit der Antike glauben die Menschen in Europa an eine Seele, welche nach dem Tod im „Totenreich“ (Reich des Hades) weiterlebt.

In Indien war dies schon immer etwas anders, denn dort wird von alters her an Reinkarnation geglaubt. Dabei lebt die Seele des Verstorbenen in einem anderen Körper, zum Beispiel in dem eines Tieres weiter. Buddha wollte sich nicht so gern an derartigen Spekulationen beteiligen und empfahl seinen Schülern „fünf Betrachtungen“ beziehungsweise Gewissheiten, die da heißen:

  • Jeder ist dem Alter unterworfen.
  • Jeder ist Krankheit unterworfen.
  • Jeder muss sterben.
  • Alles, was ich liebe und was mir angenehm ist, verändert sich. Der Trennung vom liebsten Menschen kann niemand entkommen.
  • Der einzige und wahre Besitz sind die eigenen Gedanken, Worte und Taten. Den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, kann niemand entgehen. Sie bilden den Boden, auf dem jeder steht.

Damit nimmt Buddha Bezug auf die Tatsache, dass jede Sache zwei Seiten hat. Wer nur die eine Seite haben will und die andere zugleich ablehnt, wird darunter leiden. Buddha hält es nicht für sinnvoll, sich viele Gedanken darüber zu machen, wie die Jugend, die Gesundheit oder das Leben bewahrt werden kann, da man das alles ohnehin spätestens mit dem Tod verlieren wird.

Allein die Gedanken, Worte und Taten, die im indischen Wort „Karma“ zusammengefasst werden, können niemandem genommen werden, in ihnen leben wir weiter. Buddha sieht in diesem Begriff ganz praktisch die Summe aller Wirkungen des Menschen. Daher ist es dem Buddhisten wichtig, auf sein Karma zu achten, ein schlechtes Karma zu vermeiden und ein gutes Karma anzustreben.

Letzteres wirkt sich nach Buddha bereits während des Lebens aus, was seine Lehre klar vom Hinduismus unterscheidet, bei dem das Karma lediglich für das nächste Leben nach der Wiedergeburt relevant ist. Aber was teilt uns Buddha über das Leben nach dem Tod mit?

Zwar leugnet er die Existenz einer Seele, dennoch geht er von der Wiedergeburt des Karmas aus. Waren einst die Gedanken, Worte und Taten gut, so wird auch die Wiedergeburt gut werden und umgekehrt. Daher blickt der Buddhist im Angesicht seines Todes auf sein Leben zurück und fragt sich, wofür er es eigentlich sinnvoll genutzt hat. Wenn er zum Beispiel anderen Menschen geholfen hatte, erfährt er in diesem Moment Trost.

Dagegen ist für ihn nun alles sehr belastend, was anderen Schaden zugefügt hatte. Ähnlich verhält es sich um problematische Beziehungen oder Spannungen, die ihn mit anderen Menschen verbinden. Aus diesem Grunde versucht der Buddhist zu verzeihen und möglichst nicht nachtragend zu sein, denn die Last, die sich daraus ergibt, kann im Moment des Todes geradezu unerträglich sein. Der dringende Wunsch nach Versöhnung am Ende des Lebens ist aber durchaus auch bei Nicht-Buddhisten vorhanden.

Amitabha-Buddhismus beziehungsweise Reines-Land-Schule

In Vietnam, China, Korea und Japan glauben viele Buddhisten an einen überweltlichen Ort, den sie das „Reine Land“ nennen. Alle Wesen, die dort geboren werden, erreichen die vollkommene Erleuchtung. Um dort hinzukommen, erfordert es ein gutes Karma und die Verehrung des Buddha Amitabha.

Auch der dort verbreitete Zen-Buddhismus legt Wert auf die Geistesschulung durch Achtsamkeit und Meditation. Es gibt allerdings Buddhisten, die nicht an die Wiedergeburt glauben. In Ostasien wird traditionell eine Ahnenverehrung betrieben, die praktisch von der Religion abgekoppelt ist. Im Verständnis dieser Tradition wird uns das Leben weder durch die Zeugung noch durch die Geburt geschenkt, sondern von Generation zu Generation im Sinne einer Abspaltung weitergegeben.

So kommt der gesamten Ahnenreihe eine große Dankbarkeit zu, denn wenn nur einer von ihnen ohne Nachkommen geblieben wäre, würde man selbst heute nicht leben. Daraus ergibt sich unmittelbar eine Verpflichtung, auch selbst wieder für Nachkommen zu sorgen.

Achte auf einen guten Geisteszustand zum Zeitpunkt des Todes

Es sind im Buddhismus gerade die letzten Gedanken, Worte und Taten, die einen besonders gravierenden Einfluss auf das Karma und damit auf die Wiedergeburt haben.

Deshalb sollen sogar die Schmerzen mit einem klaren Verstand devot ertragen werden. Zur Vorbereitung auf den Tod meditiert der Buddhist über Themen der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Alles, auch sein Körper, was einst zusammengesetzt wurde, wird wieder zerfallen, so das Credo.

Das Ziel der Meditation besteht in einer Identifikation mit seinem Geist und dem eigenen Körper, was die Buddhisten „das kleine Ich“ nennen. Es muss überwunden werden, um es durch ein größeres Ich ersetzen zu können. Dabei kann es sich um das Karma, die Ahnenreihe, den Lebensstrom, das ganze Volk oder die Menschheit insgesamt oder auch um die Natur handeln. Angst vor dem Tod ist also für den Buddhisten überhaupt nicht angebracht.

Warum soll der Buddhismus keine Religion sein?

Gewiss, für den durchschnittlichen Europäer ist es ungewohnt, ohne Gott und ohne unsterbliche Seele auskommen zu müssen. Dennoch tragen in Asien die Tempel, die Buddha-Verehrung sowie die Gläubigkeit der Menschen stark religiöse Züge, die mit dem südeuropäischen Katholizismus gut vergleichbar sind.

Außerdem erfüllt der Buddhismus vollumfänglich die Funktion einer Religion, denn er gibt Antworten auf all die Fragen, die auch in anderen Religionen eine zentrale Rolle spielen, zum Beispiel jene nach der eigenen Vergänglichkeit.

Es gibt sogar Kongresse zu diesem Thema “Leben und Sterben”, die z.B. die Deutsche Buddhistische Union (DBU) abgehalten hatte. Auf der Webseite: https://buddhismus-deutschland.de findet man dazu weitere Informationen.

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Dieser Beitrag wurde am 26.01.2022 erstellt.

Bildquelle:

  • https://pixabay.com/de/photos/buddhist-mönch-anfänger-buddhismus-5843719/
René Gräber
René Gräber
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