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Mediziner warnen vor Asthma und Allergien durch Duftkerzen und Duft-Marketing

Ein Gast-Artikel von Maria Herzger, www.maria-herzger.eu

Asthma, chronische Atemwegserkrankungen und Allergien sind auch in Deutschland weit verbreitete Krankheitsbilder, deren Symptomatik sich besonders in der herbstlichen und winterlichen Jahreszeit intensivieren. Kaum jemand bringt die zunehmenden Beschwerden mit dem eigenen Konsumverhalten in Zusammenhang.

Doch vielfach ist gerade der mit Wellness und Wohlbefinden assoziierte Konsum von Duftkerzen und anderen Düften die Wurzel des ganzen Übels. Wissenschaftlichen Studien zu Folge können die synthetischen Inhaltsstoffe von so manchem bedufteten Produkt schwerwiegende Gesundheitsstörungen hervorrufen, ganz im Gegensatz zu den uns durch geschickte Werbestrategien suggerierten Eigenschaften von verheißungsvoll steigerbarem Allgemeinbefinden und Wohlergehen.

Lungenärzte der deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) warnen vor Gesundheitsrisiken durch paraffinhaltige Duftkerzen und dem Einsatz von Duft-Marketing in öffentlichen Gebäuden sowie in Kaufhäusern. Die Mediziner berufen sich herbei auf eine aktuelle Studie von Forschern der Carolina State University. Der Vorstandsvorsitzende der DLS, Prof. Harald Morr erläutert, dass die aus Petroleum hergestellten Paraffinkerzen beim Abbrennen gesundheitsschädigende Substanzen in die Raumluft freisetzen, die bei Menschen mit bereits bestehenden Kontaktallergien auf Duftstoffe, allergische Reaktionen der Haut und der Atemwege verstärken sowie Asthmabeschwerden hervorrufen können.

Demnach ist es empfehlenswert auf paraffinhaltige Kerzen zu verzichten und sich stattdessen mit Kerzen aus Bienen- oder Sojawachs bzw. aus Stearin, gesunde Gemütlichkeit zu verschaffen.

Gesundheitsgefahr durch Duft-Marketing

Duft-Marketing erfreut sich bei Kaufhausbetreibern, in Arztpraxen und Krankenhäusern wachsender Beliebtheit, insbesondere in der bevorstehenden Weihnachtszeit. Die Kundschaft erfährt durch den Einsatz synthetischer Duftstoffe somit eine unfreiwillige Manipulation der Sinne, um durch Anregung ihrer Kauflaune die eigene Kasse verstärkt klingeln zu lassen. In Krankenhäusern und Arztpraxen sollen durch das sogenannte Air-Design unangenehme Gerüche kaschiert werden. Patienten, die an Multipler Chemikalien Sensitivität – MCS erkrankt sind, werden durch diese unausweichliche Zwangsbeduftung in ihrem gesundheitsbedingt ohnehin stark minimierten Handlungsspielraum, zusätzlich immens beeinträchtigt. Arztbesuche sind demnach kaum noch möglich, schwerwiegende gesundheitliche Reaktionen durch die zum Einsatz kommenden chemischen Substanzen sind vorprogrammiert.

Prof. Morr gibt zu bedenken, dass die überwiegend über die Klimaanlagen der Kaufhäuser und Krankenhäuser verteilt werdenden vielzähligen chemischen Duftstoffe, sicher nicht auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit überprüft worden sind. Demzufolge setzt man die Bevölkerung, insbesondere Asthmatiker und Allergiker einem vermeidbaren Gesundheitsrisiko durch Düfte aus.

Satte Gewinne auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher

In Anbetracht der bereits langjährig existierenden Erkenntnisse, dass Duftstoffe als gesundheitsschädigend und hochallergen eingestuft sind, ist es völlig unverständlich und inakzeptabel, dass chemische Substanzen weiterhin per Duft-Marketing ahnungslose Verbraucher und Patienten berieseln, und diese völlig unnötigen Gesundheitsgefahren ausgesetzt sind. Eine Duftstoffallergie ist unheilbar, ebenso ergeben Kontaktallergien für die Betroffenen oftmals schwerwiegende, lebenslange Einschnitte für ihren weiteren Lebensverlauf, Asthmaanfälle können bekanntlich lebensbedrohlich sein und bei Chemikaliensensiblen können mitunter anaphylaktische Schockzustände hervorgerufen werden.

Eine Deklarationspflicht der Inhaltsstoffe ist bei der Raumbeduftung gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die Duftstoffindustrie ist über diesen freizügigen Handlungsspielraum erfreut, die Produzenten haben infolgedessen völlig freie Hand ihr komplettes Repertoire an chemischen Duftstoffen zum Einsatz zu bringen. Die Nachteile liegen komplett auf der Seite der Bevölkerung, zumal das Air-Design sozusagen im Verborgenen vonstattengeht und sich die ahnungslose Schar der Konsumenten wie auch Patienten nicht davor schützen kann, sondern diesen überflüssigen Gesundheitsrisiken völlig hilflos ausgeliefert ist.

Belange der Industrie haben Vorrang – Warnungen des UBA bleiben ungeachtet

Das Umweltbundesamt – UBA in Berlin empfiehlt weiterhin nachdrücklich den zurückhaltenden Umgang mit „Aromatherapie“-Produkten, Duftlampen, Räucherstäbchen und ähnlichen Produkten. Wir sollten uns allen ins Bewusstsein rücken, wir haben nur „eine“ Gesundheit! Diese durch den sorglosen Gebrauch von Duftstoffen leichtfertig zu verspielen, geht schneller als man denkt.

Die politischen Akteure stehen nach wie vor auch in puncto Duftstoffen und Duft-Marketing in der Bringschuld, allgemein verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die uns allen per Grundgesetz zugestandene körperliche Unversehrtheit auch tatsächlich zu gewährleisten. Der Gesundheit der Bevölkerung und Umweltaspekten sollten Vorrang vor Wirtschaftsinteressen eingeräumt werden. Doch genau das Gegenteil wurde erst kürzlich untermauert, Wirtschaftsminister Brüderle ließ in seinem vorgestellten Industriekonzept seine politisch eingeschlagene Richtungsweisung verlauten: Wirtschaft geht vor Umweltschutz.

[Bildquellen: Kerzen-Bild von RAHOUSE/pixelio.de; Einkaufszentrum von Rainer Prautsch/pixelio.de]

8 Kommentare zum Beitrag

  1. Entschuldigung für meine dumme Frage, aber woran erkenne ich paraffinhaltige Kerzen ?

    Vielen Dank!

    MFG

  2. Ich finde, das ist eine sehr gute Frage @Florian!

    Kerzen in guter Qualität (z.B. aus Bienenwachs oder Palmenstearin, Raps, Soja, usw.) sind gewöhnlich deutlich teurer als paraffinhaltige Kerzen. Sie haben auch die Eigenschaft, dass sie länger und rußfrei brennen.

    Meines Wissens nach (bin kein „Kerzen-Kenner“), kann man es auf den bloßen Blick schwer erkennen, wie gut eine Kerze ist (und ob paraffinfrei oder nicht). Aber in der Regel ist es gekennzeichnet aus was eine Kerze besteht. Oft steht auch „Paraffinfrei“ dabei. D.h. bei günstigen Kerzen wo nichts dabei steht, wäre ich einfach vorsichtig. Lieber gezielt Kerzen aus Bienenwachs, etc. kaufen.

  3. Hallo Gesundheitsapostel,

    sehr interessanter Artikel! Da inzwischen fast jedes 5. Kind von Asthma, Allergien oder Neurodermitis betroffen ist, wundert es mich doch sehr, dass anscheinend auch in Arztpraxen paraffinhaltige und damit allergene Duftkerzen verwendet werden. Ein Zeichen für die leider sehr verbreiteten Scheuklappeneffekte zwischen den verschiedenen medizinischen Disziplinen …

  4. Sind denn Kaufhäuser und Einkaufszentren verpflichtet, mir Auskunft zu geben, wenn ich frage ob solche Beduftungen eingesetzt werden? Gibt es dazu ein Gesetz oder Erfahrungen etc.?

  5. Hallo Lisa,

    die Gesetze in puncto Duftstoffe sind in Deutschland ziemlich mau. Von daher denke ich nicht, dass eine genrelle Auskunftspflicht besteht. Ich bin mir aber nicht sicher.

    Schöne Grüße,
    Maria

  6. Liebe Fangemeinde,

    in diesen und den kommenden Jahren werden wir Zeitzeugen, wie das wirtschaftliche Allgemeinwohl (oder das einiger, die allgemeiner als die Allgemeinheit sind) über das Recht des Einzelnen auf körperliche Unversehrtheit gestellt wird. Gestreng nach dem Motto was in China und den USA die letzten 10 Jahre prima funktioniert hat kann hier nicht schlecht sein. Eine düstere Zukunft, in der die Allgemeinheit nur noch das Recht hat zu konsumieren und das Maul zu halten.

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