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Die Wirksamkeit der Homöopathie ist nachgewiesen!

Die Meta-Analyse des Lancet 2005 dokumentiert, nach Korrektur der statistischen Fehler, die Wirksamkeit der Homöopathie

Ein Artikel von Dr. med. Friedrich Dellmour, Tribuswinkel
ÖGHM – Homöopathie in Österreich

Im August 2005 hat The Lancet ein Editorial mit dem Titel „The End of Homeopathy“ auf Basis der in derselben Ausgabe publizierten Meta-Analyse von Shang et al. [1] und der darin behaupteten vernichtenden Ergebnisse für die Homöopathie herausgebracht.

Zwar zeigte die Originalarbeit sowohl für die 110 untersuchten Homöopathie-Studien als auch die 110 schulmedizinische Studien eine deutliche Wirksamkeit (!), aber dieses für die Homöopathie sehr erfreuliche Ergebnis wurde durch die Studienautoren ins Gegenteil verkehrt [2, 3]. Die 220 Studien wurden nachträglich auf 6 schulmedizinische Studien und 8 homöopathische Studien reduziert und auf Basis dieser 14 in der Originalarbeit nicht (!) genannten Studien und unter Weglassung vieler positiver Studien fanden die Autoren ihre vorformulierte Annahme (!) bestätigt, dass die klinischen Wirkungen der Homöopathie unspezifische Placebo-Effekte oder Kontext-Effekte seien.

Das österreichische Nachrichtenmagazin Profil hat die Lancet-Publikation zum Anlass genommen, in einem ungenügend recherchierten und sehr polemischen Artikel unter der Titelseite „Homöopathie – Der große Bluff. Alle seriösen Studien beweisen die Wirkungslosigkeit der alternativen Therapie“ „Das Ende der Homöopathie“ auszurufen und auf die gesamte Alternativmedizin auszuweiten [4].

Das Pikante an der Lancet-Publikation war jedoch, dass die Meta-Analyse des Schweizer Sozial- und Präventivmediziners Matthias Egger keine Einzelarbeit war. Die Meta-Analyse war Teil des von der Schweizer Regierung in Auftrag gegebenen „Programms zur Evaluation der Komplementärmedizin“ (PEK), um den medizinischen Nutzen und die Sicherheit komplementärmedizinischer Methoden zu untersuchen und die weitere Kostenerstattung der provisorisch in die Grundversicherung aufgenommenen komplementären Therapiemethoden zu entscheiden.

Dieses PEK-Programm hatte in einem systematischen Review randomisierter Studien ausnahmslos positive Ergebnisse für die Homöopathie gefunden! Die PEK-Kommission bestätigte der Homöopathie stärkere Besserungsraten, geringere Nebenwirkungen, weniger Spitalsaufenthalte und dass die homöopathische Behandlung kostengünstiger ist als die konventionelle Behandlung. Der positive (!) Schlussbericht der PEK-Kommission [5] wies sogar darauf hin, dass die Meta-Analyse als Teil des PEK-Programms nur „eingeschränkt gültig“ und „problematisch“ sei und warnte vor dem methodischen „Zusammenwerfen“ der verschiedenen Studien und dass „die Schlussfolgerung der Meta-Analyse im Gegensatz zu der des Bewertungsberichtes steht“ und die Ergebnisse „aufgrund grundlegender methodischer Probleme zurückhaltend interpretiert werden sollten.“

Genau das haben Lancet und Profil nicht beachtet! Die Lancet-Autoren brachten ihre Voreingenommenheit sogar deutlich zum Ausdruck: “We assumed that the effects observed in placebo-controlled trials of homoeopathy could be explained by a combination of methodological deficiencies and biased reporting. Conversely, we postulated that the same bias could not explain the effects observed in comparable placebo-controlled trials of conventional medicine. Our results confirm these hypotheses … provide support for the hypothesis that the clinical effects of homoeopathy, but not those of conventional medicine, are unspecific placebo or context effects.” Und auch das Lancet-Editorial verschwieg die positiven Ergebnisse des PEK-Programms und bezeichnete die Streichung der Homöopathie aus dem Schweizer Gesundheitssystem mit der unwahren Begründung „because they did not meet efficacy and cost-effectiveness criteria“ als „sign of enlightenment“.

Diese beispiellose Verdrehung der Tatsachen führte zu einer Fülle an internationalen Reaktionen. Das Europäische Committee for Homeopathy (ECH) veröffentlichte am 23. Dezember 2005 die authorisierte Liste der 8 Homöopathie-Studien, die in der Meta-Analyse zur Beurteilung der Homöopathie im Vergleich mit schulmedizinischen Studien verwendet wurden [6]:

Jacobs J, Jiménez LM, Malthouse S, et al: Homeopathic treatment of acute childhood diarrhea: results from a clinical trial in Nepal. J Altern Complement Med 2000; 6: 131–39.

Labrecque M, Audet D, Latulippe LG, Drouin J: Homeopathic treatment of plantar warts. Can Med Assoc J 1992; 146: 1749–53.

Papp R, Schuback G, Beck E, et al: Oscillococcinum® in patients with influenza-like syndromes: a placebocontrolled double-blind evaluation. Br Homeopath J 1998; 87: 69–76.

Rottey EED, Verleye GB, Liagre RLP. Het effect van een homeopathische bereiding van micro-organismen bij de preventie van griepsymptomen: een gerandomiseerd dubbel-blind onderzoek in de huisartspraktijk. Tijdschr Int Geneeskunde 1995; 11: 54–58.

Schmidt JM, Ostermayr B: Does a homeopathic ultramolecular dilution of Thyroidinum 30CH affect the rate of body weight reduction in fasting patients? A randomised placebo-controlled double-blind clinical trial. Homeopathy 2002; 91: 197–206.

Vickers AJ, Fisher P, Smith C, Wyllie SE, Rees R: Homeopathic Arnica 30X (30D) is ineffective for muscle soreness after long- distance running: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Clin J Pain 1998; 14: 227–31.

Walach H, Haeusler W, Lowes T, Mussbach D, Schamell U, Springer W et al: Classical homeopathic treatment of chronic headaches. Cephalalgia 1997; 17: 119–26.

Weiser M, Clasen BPE: Randomisierte plazebokontrollierte Doppelblindstudie zur Untersuchung der klinischen Wirksamkeit der homöopathischen Euphorbium compositum-Nasentropfen S bei chronischer Sinusitis. Forsch Komplementärmed 1994; 1: 251–59.

Abgesehen davon, dass die Auswahlkriterien für diese wenigen Studien nicht offen gelegt wurden und die Autoren nicht erklärten, warum sie mehrere positive Studien über die homöopathische Behandlung von Infekten des oberen Respirationstraktes (URTI) aus der Meta-Analyse ausgeschlossen hatten, zeigte die Studienliste, dass die Hypothese der Studienautoren, der Herausgeber des Lancet und der Journalisten des Profil, dass die Homöopathie eine Placebo-Wirkung sei, nur auf 4 positiven Studien bei kindlicher Diarrhoe, grippalen Symptomen, Grippe-Prophylaxe und chronischer Sinusitis und 4 negativen Studien bei Plantarwarzen, Gewichtsreduktion beim Fasten, Muskelkater bei Langstreckenläufern und chronischen Kopfschmerzen beruhte:

Die 4 positiven Studien

StudienIndikationStudienmedikation
Jacobs J et al
(2000)
126Kindliche Diarrhoe
Individuelle homöopathische Behandlung
Papp R et al
(1998)
372Grippale SymptomeOscillococcinum: Anas barbariae
hepatis et cordis extractum 200K
Rottey EED et al
(1995) *
501Grippe-ProphylaxeKomplexmittel: Influenzinum 200 K,
Klebsiella pneumoniae 200 K,
Branhamella catarrhalis 200 K,
Micrococcus tetragenes 200 K
Weiser M et al
(1994)
104Chronische SinusitisKomplexmittel: Vincetoxicum D4,
Argentum nitricum D10, Echinacea D6,
Euphorbium D6, Hepar sulphuris D10,
Luffa D6, Pulsatilla D2, Sulphur D6

* NICHT in Medline indexiert und in keine bisherige Meta-Analyse eingeschlossen.

Die 4 negativen Studien

StudienIndikationStudienmedikation
Labrecque M et al
(1992)
174PlantarwarzenKombination: Thuya C30,
Antimonium crudum C7,
Acidum nitricum C7
Schmidt JM et al
(2002)
208Gewichtsreduktion beim FastenThyroidinum C30
Vickers AJ et al
(1998)
519Muskelkater nach LangstreckenlaufArnica D30
Walach H et al
(1997)
101Chronische KopfschmerzenIndividuelle homöopathische
Behandlung

Diese Studienauswahl enthielt eine einzige aus homöopathischer Sicht verwertbare Studie (Jacobs 2000, individuelle homöopathische Behandlung bei kindlicher Diarrhoe), die ein positives Ergebnis ergeben hatte. Die zweite, negative Studie mit individueller Behandlung (Walach 1997; „Münchener Kopfschmerzstudie“) war aufgrund eines völlig unpassenden Patientenkollektives und zahlreicher schwerer methodischer Mängel in der Studienplanung und Auswertung „faktisch unbrauchbar“ [7] und hätte nach Korrektur der darin enthaltenen Artefakte zu einem signifikant positiven Ergebnis geführt!

Somit war in der Studienauswahl der Lancet-Autoren eine einzige Homöopathie-Studie enthalten, die den Prinzipien der Homöopathie entsprach und diese Studie hatte zu einem positiven Ergebnis geführt! Die drei weiteren, positiven Studien betrafen Komplexmittel, Nosoden-Therapie und Prophylaxe und die drei weiteren, negativen Studien betrafen die fragwürdige indikative Anwendung homöopathischer Arzneimittel sowie Komplexmittel und hatten damit keine „externe Validität“ zur Beurteilung der „Wirksamkeit der Homöopathie“!

Daraus sieht man, dass die Auswahl geeigneter Studien nicht nur anhand statistischer Evidenzkriterien erfolgen darf, sondern primär darauf achten muss, ob das Studiendesign den Prinzipien der Homöopathie entspricht! Dies deshalb, da das für pharmakologisch wirkende Arzneimittel entwickelte Modell der Doppelblindstudien für die autoregulatorisch wirkenden homöopathischen Arzneimittel und die Prinzipien der Klassischen Homöopathie unter klinisch-pharmakologischen Bedingungen nicht [3] oder und nur mit sehr sorgfältig geplantem Design [7] geeignet ist, die Wirksamkeit der Homöopathie zu untersuchen.

 

Kritik an der Meta-Analyse des Lancet

Die Hauptkritikpunkte an der Meta-Analyse waren demnach die nachträgliche Reduktion auf 14 Studien, die im Studiendesign nicht vorgesehen war und deren Auswahlkriterien nicht genannt wurden, wodurch die Paarbildung der ursprünglich gematchten Studien verloren ging und die homöopathischen und konventionellen Studien nicht mehr vergleichbar waren. Lancet hat damit den Sinn der Meta-Analyse ins Gegenteil verkehrt. Meta-Analysen dienen dazu, die vorhandene Literatur nach einheitlichen Kriterien zu bewerten. Genau das ist nicht erfolgt: es wurde die vorhandene Literatur nicht untersucht, indem hochwertige Arbeiten nicht aufgenommen und 93% der eingeschlossenen Studien durch nachträgliche Selektion wieder ausgeschlossen wurden.

Weitere Kritikpunkte waren die Diskriminierung und Asymmetrie bei der Studienauswahl, die fehlende Vergleichbarkeit der homöopathischen und konventionellen Gruppen und Studien, fehlende Intent-to-treat- und multivariate Analysen, fehlende Power-Angaben der Ergebnisse und die nicht nachvollziehbare Funnel-Plot-Methode. Dazu kommt, dass die Meta-Analyse aus medizinischen und statistischen Gründen die Hypothese, dass die nachgewiesenen (!) Wirkungen doch durch Homöopathie erzielt worden sind, nicht widerlegen kann. Die Schlussfolgerungen der Autoren entbehren daher jeglicher Grundlage.

Aufgrund dieser gravierenden Mängel reichten die ersten Kommentare der Meta-Analyse von „Fascinating lesson on bias“ (David Reilly) bis zu „Verfall und Pervertierung biomedizinischer Statistik“ (Mikel Aickin). Der Schweizerische Verein Homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA) veröffentlichte im November 2005 einen offenen Brief an den Herausgeber des Lancet [8], in dem er die sehr geringe homöopathische Qualität der ausgewählten Studien und fehlende externe Validität und praktische Signifikanz der Arbeit beklagte. Kein einziger qualifizierter Homöopath würde auch nur einen Patienten nach den Kriterien der ausgewählten 110 Studien behandeln! Die Ergebnisse stehen außerdem im Widerspruch zu den vorhandenen Meta-Analysen und großen Reviews und sind unhaltbar. Die Lancet-Publikation ist intransparent und unvollständig und verstößt damit gegen die international anerkannten Regeln der Cochrane Collaboration!

Danach erschienen auch im Lancet ausführliche Leserbriefe [9] und das Mitglied des PEK-Lenkungsausschusses Peter Heusser hielt am 9. Dezember 2005 an der Universität Bern im Rahmen der Ringvorlesung „Medizin und Macht“ die Vorlesung „Medizin und Macht am Beispiel der Programm Evaluation Komplementärmedizin PEK“, in der die gesundheitspolitischen Hintergründe der Meta-Analyse des Lancet aufgezeigt wurden [10]. Der Schweizer Bundesrat hatte demnach beschlossen, die Komplementärmedizin aus dem Grundversorgungskatalog der Krankenversicherung zu streichen. Zuvor hatte das Schweizer Bundesamt für Gesundheit eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um den Stellenwert der Komplementärmedizin im Schweizer Krankenversicherungssystem zu evaluieren. Diese Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK) hatte in einem systematischen Review ausnahmslos positive Ergebnisse für die Homöopathie gefunden! Die Schweizer Behörden waren darüber jedoch nicht erfreut. Der Vorbericht und die Empfehlung der Kommission, die Homöopathie in der Krankenversicherung zu belassen, wurden verworfen und im Juni 2005 wurde die Komplementärmedizin und Homöopathie aus dem Grundversorgungskatalog der Krankenversicherung gestrichen.

 

HTA-Report des PEK-Programmes belegt die Wirksamkeit und Wirkung der Homöopathie

Gudrun Bornhöft und Peter F. Matthiessen haben den vollständigen HTA-Bericht, den die Schweizer Regierung in Auftrag gegeben hatte, 2006 als Buch veröffentlicht [11]. Damit liegt erstmals ein HTA-Bericht zur Homöopathie vor. Ein HTA-Bericht (Health Technology Assessment) ist die höchste Stufe der Evidence Based Medicine zur Beurteilung der Wirksamkeit, Sicherheit und Kosten einer medizinischen Therapiemethode und hat mehr Aussagekraft als Reviews und klinische Studien.

Mit dem HTA-Bericht haben die Autoren das bisher umfassendste Grundlagenwerk zum Stand der wissenschaftlichen Forschung in der Homöopathie veröffentlicht. Das Werk enthält Einführungen in die Homöopathie, homöopathische Arzneimittel, den homöopathischen Krankheitsbegriff, Indikationen und Grenzen der Homöopathie und gibt einen Überblick über die Studienlage und Problematik randomisierter Studien, Bias und Meta-Analysen.

Ziele des HTA-Berichtes waren es, die Art und Menge der wissenschaftlichen Publikationen, den Stand der präklinischen Forschung, die Wirksamkeit auf Grundlage systematischer Reviews und Meta-Analysen sowie die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Homöopathie zu erfassen. Die methodische Vorgangsweise des HTA war eine Internetrecherche in 22 (!) medizinischen Datenbanken und hat zu 107 auswertbaren Titeln geführt. Davon zeigten 20 von 22 Reviews einen Trend zugunsten der Homöopathie und 5 Reviews einen deutlichen Beleg für die Wirksamkeit der Homöopathie. In der Indikation URTI/A (upper respiration tract infections and allergic reactions) zeigten 24 von 29 klinischen Studien ein positives Ergebnis, wovon die placebokontrollierten randomisierten Studien mit der höchsten Evidenzklasse nach EBM bei 12 von 16 Studien ein positives Ergebnis fanden.

Der HTA-Report belegt, dass „die ärztliche Homöopathie bei sachgemäßer Anwendung arm an Nebenwirkungen und bei Verwendung mittlerer und hoher Potenzen frei von toxischen Wirkungen und unerwünschten Organwirkungen ist“ und fand wirtschaftliche Vorteile durch Einsparung direkter und indirekter Kosten im Vergleich mit der konventionellen Behandlung.

 

Zusammenfassendes Ergebnis des HTA-Reports

„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es ausreichende Belege für die präklinische (experimentelle) Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt.“

 

Reanalysen der Meta-Analyse des Lancet belegen die Wirksamkeit der Homöopathie

Das Europäische Commitee for Homeopathy (ECH) versandte am 3. November 2008 einen Press Release [12] mit dem Titel „New evidence for Homeopathy“, nachdem zwei neue Studien die Meta-Analyse und die post-publication data neu untersucht hatten:

Rutten, Stolper 2008:

Die beiden niederländischen homöopathischen Ärzte A.L.B. Rutten und C.F. Stolper gingen der auffallenden Diskrepanz der von Linde et al. 1997 in Lancet publizierten positiven Meta-Analyse von 89 Homöopathie-Studien [14] und der negativen Arbeit von Shang et al. über 8 Homöopathie-Studien nach, die zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen waren. Dazu wurden die von Shang et al. als qualitativ hochwertig bezeichneten 21 Studien und postpublication data neu analysiert und Sensitivitätsanalysen durchgeführt, um die Einflüsse der subjektiven Studienwahl durch die einzelnen untersuchten Indikationen und den Grenzwert für „größere“ Studien auf das Gesamtergebnis herauszufinden [13].

Das Ergebnis war überraschend und zeigte, dass die Qualität der von Shang et al. ausgewählten homöopathischen Studien besser als die der konventionellen Studien war. Die Autoren fanden weiters zahlreiche schwere Mängel in der Lancet-Studie: die Studiengruppen zeigten eine ausgeprägte Asymmetrie (14 von 83 Homöopathie-Studien versus 2 aus 78 konventionellen Studien mit geringeren Fallzahlen n < 100), Verwendung unterschiedlicher Grenzwerte für „größere Studien“ bei homöopathischen und konventionellen Studien ohne erkennbaren Grund, selektiver Einschluss unpublizierter Studien nur in der Homöopathie-Gruppe, unterschiedliches Qualitäts-Assessment im Vergleich zu vorangegangen Analysen, Verlust des Matchings durch die nachträgliche Selektion nach Größe und Qualität mit fehlenden Sensitivitätsanalysen betreffend die Heterogenität der Studien und Selektion. Das Subset von 8 Homöopathie-Studien, von dem das Ergebnis der Meta-Analyse abgeleitet wurde, bestand aus 8 Arbeiten zu 8 unterschiedlichen Indikationen, war heterogen und nicht an die Indikationen der konventionellen Studien gematcht.

Die Autoren fanden daher, dass die Reanalyse die Schlussfolgerung von Shang et al. nicht bestätigt, dass die Homöopathie eine Placebo-Wirkung sei. Aufgrund der Mängel der Meta-Analyse kann aus dieser nur abgeleitet werden, dass die Qualität der eingeschlossenen homöopathischen Studien höher war als die der konventionellen Studien, was für alle Studien und die Studien mit geringerer Fallzahl galt: “Re-analysis of Shang’s post-publication data did not support the conclusion that homeopathy is a placebo effect. The conclusion that homeopathy is and that conventional is not a placebo effect was not based on comparative analysis and not justified because of heterogeneity and lack of sensitivity analysis. If we confine ourselves to the predefined hypotheses and the part of the analysis that is indeed comparative, the conclusion should be that quality of homeopathic trials is better than of conventional trials, for all trials (p = 0.03) as well as for smaller trials (p = 0.003).”

Lüdtke, Rutten 2008:

Nachdem die negativen Ergebnisse von Shang et al. primär auf einem Subset von 21 nicht näher definierten „größeren“ Studien beruhen, führten Rainer Lüdtke von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung und A.L.B. Rutten mehrere Sensitivitätsanalysen an weiteren aussagekräftigen Subsets hochqualitativer Studien durch. Dabei wurde das Ergebnis gefunden, dass die von Shang et al. als hochqualitativ bezeichneten 21 Homöopathie-Studien zu signifikanten Wirkungen über Placeboniveau führten: „Homeopathy had a significant effect beyond placebo (OR = 0,76; 95% CI: 0.59 – 0.99; p = 0.039)”.

Die Autoren fanden auch heraus, wie das im Widerspruch zu anderen Meta-Analysen stehende negative Ergebnis von Shang et al. erklärt werden kann: wenn die Studiensets sukzessive auf größere Patientenzahlen beschränkt wurden, veränderten sich die odds ratios moderat (median: 0.82, range: 0.71 – 1.02) und die p-Werte stiegen stetig an (median: 0.16, range: 0.03 – 0.93) und erreichten die Ergebnisse, die Shang et al. für die 8 größten Studien gefunden hatten (OR 0.88, CI: 0.66 – 1.18; p = 0.41). Und wie bereits Rutten und Stolper am Beispiel von Vickers et al. 1998 berichteten [13], ist die homöopathische Behandlung von Muskelkater nach Langstreckenlauf mit Arnica C30 unwirksam. Genau diese Studie hatte aber aufgrund ihrer hohen Fallzahl das Ergebnis von Shang et al. sehr wesentlich beeinflusst!

Die Autoren kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass die Resultate der Meta-Analyse von Shang et al. vom gewählten Grenzwert „größerer“ Patientenzahlen empfindlich abhängen und die Ergebnisse aufgrund der großen Heterogenität nicht so eindeutig sind, wie sie präsentiert wurden: „The meta-analysis results change sensitively to the chosen threshold defining large sample sizes. Because of the high heterogeneity between the trials, Shang’s results and conclusions are less definite as they had been presented.

 

Zusammenfassung

Bereits die Originalpublikation von Shang et al. hatte ergeben, dass die Gesamtheit der 110 ursprünglich in die Meta-Analyse eingeschlossenen Homöopathie-Studien eine deutliche Wirksamkeit zeigte. Und wenngleich Lüdtke und Rutten schreiben, dass ihre Ergebnisse weder die Überlegenheit homöopathischer Arzneimittel über Placebo noch das Gegenteil belegen, weil das nicht Ziel ihrer Arbeit war, so fanden die Autoren doch das Ergebnis, dass die in der Meta-Analyse des Lancet als hochqualitativ bezeichneten 21 Homöopathie-Studien signifikante Wirkungen über Placeboniveau gezeigt haben (p = 0.039).

Beide Arbeiten zeigen die gravierenden statistischen Fehler der Meta-Analyse auf und welche Studienauswahl und statistischen Methoden das negative Ergebnis hervorgerufen haben. Die Hypothese von Shang et al., die Homöopathie sei eine Placebo-Wirkung, wurde daher durch die Reanalyse nicht bestätigt.

Davon abgesehen hatten die von Shang et al. ausgewählten Studien keine externe Validität, d.h. sie waren nicht repräsentativ zur Bewertung der Wirksamkeit der Homöopathie unter den Praxisbedingungen der Klassischen Homöopathie.

Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu den bereits vorhandenen Meta-Analysen und Reviews und widersprechen dem Gesamtergebnis des von der Schweizer Regierung in Auftrag gegebenen Bewertungsberichtes des PEK-Programmes, in dessen Rahmen die Meta-Analyse durchgeführt wurde. Dieser HTA-Report als höchste Stufe der Evidence Based Medicine hat 107 auswertbare Titel gefunden und repräsentiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung in der Homöopathie (2006):

Es gibt ausreichende Belege für die präklinische (experimentelle) Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie. Die Homöopathie stellt im Vergleich zu konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention dar.

Literatur:

[1] Shang A, Huwiler-Muntener K, Nartey L, Juni P, Dorig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet 2005;366:726-32.
[2] Dellmour F: Die Fragwürdigkeit klinischer Studien in der Homöopathie. Homöopathie in Österreich Jg. 16, Heft 4, Winter 2005: 27-34.
[3] Dellmour F: Klinische Studien und Metaanalysen in der Homöopathie. Deutsche Zeitschrift für Klinische Forschung 5/6-2006: 52-60.
[4] Hanifle T, Ehgartner B: Das Ende der Homöopathie. Profil, Nr. 37, 36. Jg., 12. September 2005: 106-13.
[5] Melchart D, Mitscherlich F, Amiet M, Eichenberger R, Koch P: Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK). Schlussbericht. 24.4.2005.
[6] European Committee for Homeopathy (ECH): E-Mail des ECH-Präsidenten Ton Nicolai vom 23.12.2005 an die europäischen homöopathischen Ärztegesellschaften.
[7] Seiler HP: Doppelblindstudien, Rationalität und Homöopathie. Offener Brief an Prof. Dr. phil. Harald Walach. November 2005. Rezension: Hanspeter Seiler: Doppelblindstudien, Rationalität und Homöopathie. Offener Brief an Prof. Dr. phil. Harald Walach. Homöopathie in Österreich Jg. 17, Heft 2, 2006: 34-35.
[8] Swiss Association of Homoeopathic Physicians (SAHOP): Open Letter to the Editor of The Lancet. Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd 2005;12:000-000. Published online: November 30. 2005.
[9] Walach H, Jonas W, Lewith G; Linde K, Jonas W; Fisher P, Berman B, Davidson J, Reilly D, Thompson T, on behalf of 29 other signatories; Dantas F; Shang A, Jüni P, Sterne JAC, Huwiler-Müntener K, Egger M; Skandhan KP, Amith S, Avni S; Raoult D: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Correspondence. www.thelancet.com Vol. 366, December 17/24/31, 2005.
[10] Heusser P: Medizin und Macht am Beispiel des Programms Evaluation Komplementärmedizin PEK. Vorlesung im Rahmen der Ringvorlesung „Medizin und Macht“ der KIKOM. Universität Bern, WS 2005/06, 9.12.2005.
[11] Bornhöft G, Matthiessen PF (Hrsg.): Homöopathie in der Krankenversorgung – Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Ein HTA-Bericht zur Homöopathie im Rahmen des Programms Evaluation Komplementärmedizin in der Schweiz. Rezension: Homöopathie in Österreich 2008;2: 42.
[12] European Committee for Homeopathy: New Evidence for Homeopathy. Press Release 3 November 2008. Nachdruck: Homöopathie in Österreich 2008;4: 17-18.
[13] Rutten ALB, Stolper CF: The 2005 meta-analysis of homeopathy: the importance of postpublication data. Homeopathy 2008; 97: 169-177. DOI 10.1016/j.homp.2008.09.008.
[14] Linde K, Clausius N, Ramirez G et al: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A metaanalysis of placebo-controlled trials. Lancet 1997; 350: 834–843.
[15] Lüdtke R, Rutten ALB: The conclusions on the effectiveness of homeopathy highly depend on the set of analyzed trials. Journal of Clinical Epidemiology 2008. Article in press. DOI: 10.1016/j.jclinepi.2008.06.015

Mit freundlicher Genehmigung von Ing. Dr. med. Friedrich Dellmour
Quelle: ÖGHM – Österreichische Gesellschaft für homöopathische Medizin

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